ZZ4 Wann ist Äeinrich Äeine geboren?
mut ausgelegt, was man als Freimut und Unabhängigkeitbewundern sollte. Immer von neuem wird der Vorwurf laut,man habe in der Darlegung seiner politischen Ansichten, seinerNeigung und Abneigung nur Schein, nur ein Spiel derLaune und das Bestreben zu erkennen, Aufsehen zu erregen,sich einen Namen zu machen, Anhänger, Freunde, Popularitätzu erwerben. „Ich finde" — möchte es erlaubt sein, einigeWorte, die ich vor zwanzig Iahren schrieb, zu wiederholen*)— „ich finde nichts in seinem Leben, was ein so hartesWort begründete. Beinahe aus seinen Knabenjahren läßtsich nachweisen, wie seine Ansichten sich stetig entwickelten;immer hat er sie ohne Rückhalt ausgesprochen; zwischen denvertrautesten Briefen und seinen öffentlichen Äußerungenwird man schwerlich eine Verschiedenheit gewahren. Wennich die Berichte aus Paris über das Juli-Königtum lese, soscheint mir, der Verfasser eines Kompendiums der Politikoder Nationalökonomie würde sich allerdings in mehr syste-matischer Folge ausdrücken, aber auch von dem Scharfblickdes Dichters, von seiner wundervollen Gabe, die Dinge treffendzu bezeichnen, vieles lernen können. Was Seine vielleichtam meisten geschadet hat, ist seine Art, über politische Dingescherzend oder spottend sich auszudrücken. Wer parlamenta-rischen Versammlungen beiwohnt, wird sich bald überzeugen,daß ein Redner, der eine glückliche Begabung für witzigeund spaßhafte Wendungen häufig benutzt, wohl augenblick-lichen Beifall, aber selten nachhaltigen Einfluß und persön-liches Ansehen gewinnt. Politische Personen dürfen eigent-lich nur im Stile Dantes zum Spotte greifen. Man glaubtnicht leicht, das jemand, der über so ernste Angelegenheitenernst und gewissenhaft nachdenkt, darüber lachen und scherzenkönnte. Ernst und Gewissenhaftigkeit ist es aber, was vorallem verlangt wird und verlangt werden muß, denn sie sindfür den Politiker noch unentbehrlicher als Fähigkeiten undTalente. Aber Seine hat sich nie um einen Ministerposten
*) Vgl. oben S. 49 f.