242 5). Keine und Ernst Christian August Keller.
Aber die Menschen in Polen sind gut. Der Edelmannist wacker und brav, er verdient, daß man ihn achte. Deutsche,die Polen durchreist haben und ein entgegengesetztes Artheilnach Deutschland mitgebracht, haben gewöhnlich die Polendurch die deutsche Brille betrachtet, oder sie trugen National-vorurtheile in der Brust.
Ich schwärme in dieser Gegend hin und her. Morgenreise ich wieder nach Posen, um einige Alterthümer und dieCopien altdeutscher Manuskripte, die Professor Schotky von Wienmitgebracht, nochmals zu beschauen. In drei bis vier Wochenbin ich wieder in Berlin. Ich habe noch immer den festenVorsatz, Ihnen einen Besuch in Potsdam zu machen. —Or. Schulz schrieb mir vor vier Wochen, daß er October inBerlin sein wird. Wenn Sie, lieber Keller, ihm diese Tageschreiben, so schreiben Sie ihm, daß ich jetzt in Polen michherumtreibe, aber October wieder in Berlin bin; ich vergaß,ihm dieses anzuzeigen, und werde ihm erst in vier Wochenschreiben. Nächsten Winter gedenke ich noch in Berlin zuzu-bringen. Meine Studierzeit, drei Immatriculationsjahre, istzerronnen. Aber ich glaube, daß mir noch einige Jahre zu-gesetzt werden. Ich werde diese Zeit dem Quellenstudium derMittlern Geschichte widmen. Ich hoffe, später im Stande zusein, den Katheder zu besteigen und der unmündigen Jugenddie Vorzeit im Lichte der Wahrheit zu zeigen. Ich hoffe,daß Ew. Wohlgeboren in einigen Iahren eine bessere Meinungvon mir gewinnen, als diejenige dubiöse Meinung ist, welcheKochdieselben vorig Jahr von mir zu hegen geruheten. —Mit der edlen Poeterei beschäftige ich mich noch sehr viel.Ich hoffe, bald etwas aufs Theater zu bringen; nicht inBerlin. Diesen Winter erst wird wieder ein Band Dich-tungen von mir in Druck erscheinen. Von allen Seiten ver-nehme ich, wie viel über mich (als Dichter) raisonirt wordenund wird. Ob man mich lobt oder tadelt, es rührt michnicht, ich gehe meinen strengen Weg, den ich mal als denbesten erkannt habe. Einige sagen, er führt mich in den