Keines Briefe vom 15. Juni und 1. Sept. 1822.
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III.
Ein Bogen in Quart, 3 st, Seiten beschrieben, keineAdresse:
Gnesen, den 1. September 1822.
Mein braver, wackerer Hartman vom Rhein!
Sie werden sich wundern, einen Brief aus Polen vonmir zu erhalten. Wenn ich auch lange gesäumt habe, Ihrenletzten, lieben Brief zu beantworten, so habe ich nichtsdesto-weniger oft an Sie gedacht; ja, um so öfter, da ich mir täg-lich Vorwürfe machte, Ihnen noch nicht geschrieben zu haben.Von einem Tag zum andern wurde ich an der Nase herum-geführt von Jemand, der mir das von Ihnen verlangte Blattder gelehrten Göttinger Anzeigen verschaffen wollte, undmittlerweile, vor vier Wochen, reiste ich ab von Berlin. —Ich sollte nach Dresden und Töplitz reisen, um meine Ge-sundheit herzustellen. Aber meine wilde Natur trieb michnach den Wäldern Polens. Ich wollte das Land kennenlernen und einige befreundete Polen wiedersehen. Das Landist abscheulich; einen melancholischen Anblick gewähren diepolnischen Dörfer, wo der Mensch wie das Vieh lebt. Ja,liebster Doctrinär, mir wurde gar wehmüthig zu Muthe, alsich jene Resultate einer ausgebildeten Aristokratie, der elendeZustand der polnischen Bauern, betrachtete. Daß es inunserm geliebten Deutschland nie zu einem ähnlichen Zustand,zu einem Rückfall ins Mittelalter, kommen wird, dafür bürgenmir die vielen Kämpfer für Recht und Wahrheit, dereneiserne Stimmen noch überall erschallen, dafür bürgen mirMänner wie der Doctrinär von der rothen Erde, der, einstrenger Gotteswärtel im großen Natursaal, Jedem seinenrechtmäßigen Platz anweist, den wurmartig zertretenen Mansche!auf die Menschenbank hinauf hilft, und den lachenden Zünstlervon seinem mit weichen Privilegien gepolsterten Faulsitz her-unter peitscht.
.Süsser, Seine. 16