Berliner Beziehungen beider. 235
sacher Savignys, der Bewunderer Hegels, verkehrte bei ihr.Es muß auffallen, wenn Heine in dem Briefe vom I. Sep-tember angibt, er habe Gans erst einige Wochen vor seinerAbreise nach Polen, also im Sommer 1822, kennen lernen;denn manche Ausstände scheinen auf einen früheren Zeitpunkthinzuweisen. Die „Briefe aus Berlin" sind voll von keckenoder frechen Ausfällen gegen den berühmtesten Rechtslehrerder Hochschule, und bei dem schroffen Gegensatz zwischenSavigny und Gans konnte man vermuten, der letztere habeauf Heines Ausdrucksweise einen unmittelbar persönlichenEinfluß ausgeübt. Jetzt erweist sich diese Annahme als un-zulässig. Von Heines Kenntnissen scheint Gans eine rechtgünstige Meinung gehegt zu haben; das Anerbieten, einestaatswissenschaftliche Zeitschrift im Vereine mit ihm heraus-zugeben, hat nichts Anglaubliches. Aber der Plan gelangteebensowenig zur Ausführung, wie Heines Absicht, einen Lehr-stuhl für mittelalterliche Geschichte zu erobern. Erst 1827begründete Gans die „Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik",eine philosophische Zeitschrift zugunsten der Hegelschen Schule.
In dem dritten Briefe vom 1. September aus Gnesenwird jene Angelegenheit ausführlich besprochen. Danebenfindet man Anklänge an den Aufsatz über Polen, die jedochkeiner Erläuterung bedürfen. Es sei nur noch erwähnt, daßder von Heine in dem genannten Aufsatze (Bd. VIl, S. 214)freundschaftlich gepriesene, von Gutzkow in den „Rückblickenauf mein Leben" (Berlin 1875, S. 89—99) halb wohl-wollend, halb boshaft als Karikatur gezeichnete ProfessorJulius Max Schottky nicht, wie bei Gutzkow und an anderenOrten angedeutet wird, im Zuchthaus gestorben ist. Er war1794 in Kupp bei Oppeln geboren, später Professor derLiteraturgeschichte uud deutschen Sprache in Prag und München,ein leidenschaftlicher Sammler, wenig wählerisch und, wie manbehauptet, fremdes Eigentum nicht immer sorgfältig achtend,aber wirklich verdient um die Kenntnis der österreichischenVolkspoesie und des niederösterreichischen Dialekts. Im Jahre