Druckschrift 
Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

Kellers Beamtenlaufbahn.

minister von Ladenberg wünschte, den kenntnisreichen Mannzum Ministerialdirektor zu machen. Keller lehnte jedoch ab,mit dem Hinweis, daß die Direktoren die politische Strömung,während welcher sie erhoben seien, selten überdauerten; ihmaber sei es bei seiner Arbeitslust und dem Stande seinesVermögens nicht erfreulich, zur Disposition gestellt zu werden.So verblieb er in der früheren Stellung auch unter den fol-genden Ministern; kommissarisch, also tatsächlich, wurde erfreilich schon 1850 mit der Wahrnehmung der Direktorial-geschäfte bei der Abteilung für die evangelischen Kirchen-angelegenheiten betraut und demgemäß am 12. Juni 1861zum Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrat mit dem Rangeeines Rates erster Klasse befördert.

Jederzeit, auch in den Iahren, als die politischen undkonfessionellen Gegensätze im Kultusministerium zu lebhaftemAusdruck gelangten, wurden sein ruhiger, klarer Blick, seinbilliges, wohlbegründetes Lirteil von Angehörigen aller Par-teien anerkannt. Lind in vollem Maße erfüllte sich seinWunsch nach einer langen, über sein ganzes Leben sich er-streckenden Wirksamkeit. Denn es war ihm vergönnt, am14. Dezember 1869 auf 50 im Staatsdienste verlebte Jahrezurückzublicken und sogar ein Fall, der nie zuvor sich er-eignet hatte am 7. November 1879 sein 50jähriges Jubi-läum als vortragender Rat im Kultusministerium zu feiern.Schon am 14. Dezember desselben Jahres würde er dassechste Jahrzehnt seines Staatsdienstes zum Abschluß ge-bracht haben; man hatte deshalb die beiden Jubiläen aufden 7. November vereinigt. Der König bezeugte seine Teil-nahme durch die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat,die Berliner Universität durch die Verleihung der juristischenund philosophischen Doktorwürde. Lind wenn man in einersolchen Feier den würdigen Abschluß eines langen, erfolg-reichen Wirkens erblicken darf, so mag es auch als eineglückliche Fügung gelten, daß der Zweiundachtzigjährige, ohnedie Gebrechen des Alters empfunden zu haben, nur neun