Druckschrift 
Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

226 Ä- 5zeine und Ernst Christian August Keller.

land hatte eifriger und geschickter seine Wirksamkeit in denDienst der liberalen Ideen gestellt; dafür hatten ihn auchseine berufensten Verlagswerke: dasKonversationslexikon",dieZeitgenossen", dieIsis", derHermes" und vor allemdasLiterarische Konversationsblatt" in endlose Streitig-keiten mit den preußischen Zensurbehörden verwickelt. AlsJohann Friedrich Benzenberg aus Elberfeld (17771844),anfänglich Physiker und Astronom, seit 1815 auch politischerSchriftsteller, in denZeitgenossen" eine sehr patriotische, aberdoch mißfällig aufgenommene Biographie Friedrich Wil-helms III. erscheinen ließ, kam es im Mai 1821 dahin, daßder gesamte Brockhaussche Verlag sn Preußen, wenn nichtverboten, so doch einer erneuten Jensur unterworfen wurde,eine Maßnahme, die bei den voneinander abweichenden Grund-sätzen der verschiedenen preußischen Zensurstellen unerträglicheBelästigungen nach sich zog. Alle Bemühungen des Ver-legers, eine Milderung herbeizuführen, blieben vergebens; ineiner Kabinettsorder vom 9. Dezember 1821 wurde ihm mit-geteilt, daß die für seine Verlagswerke bestehende Vorschriftnicht zurückgenommen werden könne. Infolge einer am15. April 1822 eingereichten Denkschrift traten aber nun derStaatskanzler von Hardenberg und sein Berater, Friedrichvon Raumer, für Brockhaus ein, und am 9. Mai 1822verfügte eine Kabinettsorder die vorläufige Suspendierung derRezensur, freilich mit dem Zusätze, das Oberzensurkollegiumsolle auch fernerhin auf den Brockhausschen Verlag einwachsames Auge richten und dasLiterarische Konversations-blatt" einer besonders strengen Aufsicht unterwerfen. Harden-berg beeilte sich, gleich am 9. Mai dem Verleger von dergünstigen Wendung Kenntnis zu geben.

Aber was geschah? Der Minister des Innern, Frei-herr von Schuckmann, wußte im Gegensatz zu dem Staats-kanzler eine neue Kabinettsorder vom 18. Mai zu erwirken,wonach an dem früheren Verfahren nichts geändert werdensollte. Erst nach dem Tode des vielgeplagten Verlegers, am