Über Kellers Leben. Z2Z
Zeit, aus welcher nur wenige Briefe des Dichters bekanntsind; und wenn sie ihn nicht in ganz neuem Lichte zeigen,so gestatten sie doch, in das Leben seines Geistes einen tieferenBlick zu werfen und von äußeren Ereignissen mehrere genauerzu bestimmen.
Zuerst über den Empfänger einige Nachrichten. Ichentnehme sie einem Nekrolog, welchen Fräulein Clara Kellerin Berlin mir abschriftlich zuzusenden die Güte hatte. Mitden Buchstaben K. G. unterzeichnet, ist er in einer Monats-schrift, die sich noch nicht feststellen ließ, zum Abdruck ge-kommen; durch mündliche Mitteilungen eines jetzt verstorbenenhohen Beamten des Kultusministeriums konnte er wesentlichergänzt werden.
Ernst Christian August Keller wurde am 14. Februar1797 in Orsoy, einer kleinen Stadt- am linken Rheinufer imKreise Mörs, geboren. Der Vater war Bürgermeister undwurde später von dem Minister Freiherrn vom Stein, alsozwischen 1894 und 1896, nach Werden berufen zur Ver-waltung der Domänen, die nach der Säkularisierung derAbtei an die preußische Negierung gefallen waren. Kellerstudierte in Marburg, Keidelberg und Berlin Rechts- undStaatswissenschaften, wurde am 14. Dezember 1819 alsReferendar bei der Negierung in Berlin vereidigt und nachAuflösung derselben nach Potsdam versetzt. Euer findenwir ihn 1822 in freundschaftlichem Verkehr mit Lieme, dener in Berlin im Setheschen Kaufe oder bei der Schrift-stellerin Elise von Hohenhausen getroffen haben mag. Viel-seitig gebildet, lebhaft angeregt, hatte er sich, wie meistensdie Begabteren unter seinen Altersgenossen, der freiheitlichenRichtung angeschlossen, vermutlich schon als Student, undes ist kein geringes Zeichen einer festen Überzeugung, daßauch der preußische Negierungsreferendar an den von FriedrichArnold Brockhaus veröffentlichten Zeitschriften, insbesonderedem „Kermes" und dem „Literarischen Konversationsblatt"sich beteiligte. Denn kein anderer Verleger in Norddeutsch-
Siiffer, Seine. lö