Äeincs Liebe zu Amalie. 221
halten ist. — Beiläufig die Bemerkung, daß ich mich mitachtungsvoller Teilnahme sowohl Christian Sethes als seinesehrwürdigen Vaters in Düsseldorf immer noch gern erinnere."
Ich brauche nicht zu bemerken, daß die in dieser Mit-teilung hervortretende Ansicht über das Verhältnis Seineszu seiner Cousine Amalie mir ebensowenig zutreffend erscheintwie die ähnlichen, nur nicht so eingehenden Angaben in den„Erinnerungen" von Maximilian Seine. Sehr bemerkens-wert scheint mir aber das, was der Brief über die Versucheenthält, den Onkel Salomon gegen den Dichter aufzureizen.Daß Versuche dieser Art in dieser Weise gemacht wordenseien, ist an sich nicht unwahrscheinlich, ja nach der bestimmtenAussage eines Mannes, der darüber sehr gut unterrichtet seinmußte, nicht zu bezweifeln. Seine selbst hatte dazu in denLiedern des „Intermezzo", das noch überdies dem Onkel Salo-mon gewidmet war, Gelegenheit gegeben. Was ist natür-licher, als daß seine Mutter und diejenigen Angehörigen,welche ihm' wahrhaft wohlwollten, gegen so gehässige An-schuldigungen auftraten, und zwar mit vollem Recht, insofernsie versicherten, daß Seine mit der verheirateten Cousine ingar keiner Verbindung gestanden und in keiner Weise sichihr aufgedrängt habe. Offenbar behaupteten sie auch nochweiter, daß das Liebesverhältnis überhaupt nur als eine poe-tische Fiktion zu betrachten sei und der Wirklichkeit niemalsangehört habe. Das war ein Irrtum, aber warum könnte er nichtin gutem Glauben gehegt worden sein? Man muß sich erinnern,daß in den Iahren 1816—1818, als Seines Leidenschaft fürAmalie ihren Söhepunkt erreichte, seine Familie sich nicht inSamburg, sondern in Düsseldorf befand. Dem Charakterdes Dichters würde es wenig entsprechen, nähme man an,daß er in die Serzensergießungen, die er unter dem tiefstenGeheimnis seinem vertrauten Freunde Sethe zugehen ließ,auch seiner Familie den Einblick vergönnt habe. Seit demAbschied von Samburg (1819) hat Seine die Cousine achtJahre lang gar nicht wieder gesehen und dann wahrscheinlich