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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
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220 Zur neuesten Keine-Literatur.

che» Hamburgs poetische Huldigungen empfangen hat, lagganz in dem Gemütsleben meines Bruders. Die erwähnteCousine hieß Amalie, war die Tochter unseres Oheims So-lomon Heine, später verheiratet an einen Leutnant Fried-länder. Die Tochter des gar nicht poetischen Ehepaareswurde an den Professor Or. Leo in Berlin verheiratet, auswelcher Ehe ein einziges Kind, eine Tochter von jetzt ungefährachtzehn Iahren, entsprossen ist. Die Frage ist nun: Wiekam es, daß sowohl von den zärtlichen Verwandten jenerZeit als heutigen Tages und von vielen anderen Anberufenenso geflissentlich öffentlich und privatim die Phrase hartnäckigverbreitet wurde, daß diese Cousine das angebetete Ideal desDichters gewesen sei? Auch Sie, Herr Professor, sind derAnsicht, daß die Vermählung der Geliebten den Dichter sotrübe gestimmt habe, und eine dauernde Erinnerung an dieverlorene Geliebte geblieben sei. Da Sie so wohlwollend übermeinen Bruder geschrieben haben, so verdienen Sie, daß ichIhnen vorläufig den Schlüssel zu diesem Mythos gebe. Diefeindliche Stimmung der zärtlichen Verwandten und sonstigengeistlosen Schmarotzer des reichen Heineschen Hauses in Ham-burg hatten nur die eine egoistische Idee, den jungen gefähr-lichen Titanen bei seinem Onkel anzuschwärzen. Der Onkel,schon so unzufrieden mit der poetischen Richtung seines Neffen,nicht weniger zürnend durch Merj den finanziellen Alpj-druckj,den der Dichter beständig auf ihn ausübte, mußte noch inseiner Erbitterung gegen ihn verleumderisch potenziert werden.Dazu diente die wissentlich verbreitete Meinung, daß derDichter die Hand seiner Tochter heimlich gewinnen wollteund selbst späterhin die verheiratete Frau mit prosaischen undpoetischen Liebesschwüren überschüttet habe. Das Manövergelang. Die damaligen Zeitungen sowie der Familienklatschhaben für diese Ansicht so gut gewirkt, daß noch heutigenTages der Reflex dieser Intrige vorhanden ist, obgleich mehrals ein halbes Jahrhundert darüber hingegangen ist. Jetzt,Herr Professor, wissen Sie, was von diesem Märchen zu