Äeines Liebe zu Amalie und Therese. 219
Schriften und die Briefe Heines so bestimmt widerlegt wird.Denn sicher kann es sich dabei der Öffentlichkeit gegenübernicht darum handeln, den Dichter gegen einen Vorwurf inSchutz zu nehmen. Im Gegenteil, der Tadel, der nicht mitAnrecht gegen ihn erhoben wird: daß er seine Neigung undDichtung auf Personen gewendet habe, die ihrer unwert waren,könnte dadurch gemildert werden, daß seine edleren Gefühleda, wo er leidenschaftlich wünschte, keine Erwiderung fanden.Aber was dem Publikum gegenüber unnötig war, konnte viel-leicht an einem anderen Orte nützlich, ja, nötig erscheinen, undin dieser Ansicht bestärkt mich eine Äußerung, die ich vielleichtschon früher hätte mitteilen sollen, zunächst weil sie voneinem Manne ausgeht, der sicher das Recht hat, in dieserAngelegenheit gehört zu werden, ferner, weil sie, wenn auchin der Hauptsache irrig, doch die Entstehung des Irrtumserklärlich macht. Bald nachdem meine Schrift „Aus demLeben Heinrich Heines" erschienen war, erhielt ich von HerrnMax von Heine die folgende Zuschrift aus Berlin vom9. April 1878:
„Ihr Buch über meinen Bruder Heinrich Heine, dasmit so vieler Liebe und Wärme geschrieben ist, hat mich rechterfreut. Kleine Irrtümer, als zu unbedeutend, übergehe ich.Ich glaubte, durch meine .Erinnerungen' an meinen Bruderalles so Märchenhafte, was in seinen Biographien (z. B.Strodtmann, Laube, Meißner:c. :c.) verbreitet worden ist,berichtigt zu haben. Nur Eins, und das auch bei Ihnen, HerrProfessor, scheint mir Dogma geworden zu sein; nämlich dieLiebe des Dichters zu Amalie Heine, eine unserer schönenCousinen. Hartnäckig bleiben die Biographen bei der Ideestehen, daß diese schöne Cousine das Ideal und die begeisterndeMuse des jungen Dichters gewesen sei. Dies ist ein voll-ständiger Irrtum. Schon sehr schöne lyrische Gedichte habeich von dem Dichter gehört, noch ehe er diese Cousine kennengelernt hatte. Daß diese junge Cousine sowohl unverheiratetals verheiratet gleichzeitig mit mehreren anderen schönen Mäd-