218 Zur neuesten Keine-Literatur.
zugleich der Gedanke gekommen ist, bei der burlesken Schil-derung eines pedantischen Gelehrtenkrams seinem Onkel zuGemüt zu sühren, „der dumme Junge habe etwas Ordent-liches gelernt" und könne, wenn er wolle, in der Schriftstellereiauch einen Erwerb finden. Durch nichts wird aber ausge-schlossen, daß mit diesem Ideengange sich der andere verband,in dem Buche die Ziele anzudeuten, auf welche seine schrift-stellerische, insbesondere seine politische Tätigkeit sich richtensollte. Daß der Dichter die Verkörperung seiner Ideen inNapoleon zu finden glaubte, entsprach einmal seinen persön-lichen Empfindungen, dann auch den Grundsätzen, denen ersein Leben hindurch treu geblieben ist. Denn er hat sich stetsals einen Gegner der Republik erklärt und die Verbesserungder menschlichen Verhältnisse durch die Kraft eines einzelnenhöher begabten, mächtigen Willens erwartet. So ist dasBuch in der Tat, wie er es mehrmals zum voraus in seinenBriefen bezeichnet, ein Stück Biographie, ein Selbstbekennt-nis, und der ursprünglichste Entstehungsgrund liegt gewißweit mehr als in allen Nebenabsichten in dem dichterischenDrange, Empfindungen und Erlebnisse poetisch zu gestaltenund darzustellen.
Sowohl Kerrn Elster wie Kerrn Kessel sind wir zugroßem Danke verpflichtet. Beide haben wesentlich zum Ver-ständnis eines Werkes beigetragen, das freilich zu witzig ist,um, wie Keine wollte, als eigentlich humoristisch gelten zukönnen, das aber unzweifelhaft unter Keines Schriften undin der deutschen Literatur eine eigenartige, bedeutende Stellungbeanspruchen kann. Der Kerausgeber der jetzt veröffentlichtenFainilienbriefe wird freilich in dieses Lob nur zum geringenTeile einstimmen, weil er, wie schon angedeutet, die leiden-schaftliche Neigung Keines zu Amalie und zu Therese Keinein das Gebiet der Fabel verweist. Es kann befremden, daßgerade die nächsten und unzweifelhaft dem Dichter am treuestenergebenen Mitglieder seiner Familie sich so einmütig und ent-schieden in einem Sinne ausspechen, der durch die eigenen