208 Zur neuesten Äeine Literatur,
And wie warm, wie jugendfrisch schlägt sein Kerz füralles, was seine Lieben angeht! Wieder wird die Schwesterwie vordem in zärtlichen Schmeichelworten gepriesen, und derMutter gegenüber wetteifern Liebe und Verehrung eines „ge-horsamen Sohns", der sich auch wohl herausnehmen darf,die hochbetagte Frau in zutraulichem Scherz als „alte Gluck,alte Schachtel, alte süße Katze" anzureden. „Leb' wohl, liebeMutter," heißt es in dem Briefe vom 21. Januar 1850, „derliebe Gott erhalte Dich, bewahre Dich vor Schmerzen undAugenübel; schone Deine liebe Gesundheit, und wenn Dir dieDinge auch manchmal nicht zu Wunsche gehen, so tröste Dichmit dem Gedanken, daß wenige Frauen von ihren Kinderngeliebt und verehrt worden sind, wie Du es bist, und wieDu es wahrlich zu sein verdienst. Du meine liebe, brave,rechtschaffene und treue Mutter. Was sind die Anderen inVergleich mit Dir! — Man soll den Boden küssen, den DeinFuß betreten hat."
Mit rührender Sorgfalt sucht Keine fort und fort dasÄbermaß seines Elends vor ihr zu verheimlichen. So schilderter am 27. Mai 1848 seinen neuen reizenden Sommeraufent-halt in Passy. Er schreibt im Freien unter einer grünenLaube, wo die Sonnenlichter ihm aufs Papier spielen, aufeinem Tisch, an welchem er eben mit seiner Frau sehr gutgefrühstückt und sich der häuslichen Ruhe, auch der schönenSpargel und Erdbeeren sehr gefreut hatte. Aber vierzehnTage später muß er auf den Wunsch seiner Frau die „allzugroße Täuschung, die der Mutter wegen nötig war," derSchwester gegenüber aufheben. Er gesteht ihr, seit vierzehnTagen sei er so gelähmt, daß er wie ein Kind getragen werdenmüsse. „Mein Beine sind wie Baumwolle, meine Augenentsetzlich schlecht." And doch macht selbst dieser Brief nochden Versuch, seinein Zustand eine tröstliche Seite abzuge-winnen, ein Bestreben, das auch die noch folgenden acht qual-vollen Jahre nicht ganz unterdrücken können.
Nach zehnjähriger Trennung hatte Keine noch einmal