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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
207
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Briese der späteren Jahre. 207

Mann oft in Verlegenheit setze und nicht mehr als ein Kindfür sich zu sorgen wisse.Führte sie sich nicht gut auf,"schreibt er am 30. März 1848,so würde ich ihr jetzt dieFreiheit geben, wie alle Könige ihren Völkern; sie würdedann schon sehen, was bei der Freiheit herauskommt."

Mit unverkennbarem Mißvergnügen betrachtet Seinedas Weltrevolutionsgepolter", das ihn auch in den eigenenInteressen schädigte, ohne daß jedoch sein scharfer Blick fürdie Ursachen und Folgen sich getrübt hätte. So sagt erschon 1849 den Staatsstreich Napoleons, und am 18. August1853 sür das nächste Jahr den Krieg mit Rußland voraus.Unvermeidlich schleicht sich in diese aus dem Krankenzimmergeschriebenen Briefe eine Art von Monotonie. Wollte mandie geistreichen und witzigen Äußerungen über Personen undZustände zusammenstellen, so würde der Ertrag kein geringersein, aber der Grundton bleibt ein anfangs verhaltener, dannmehr und mehr hervorbrechender, hoffnungsloser Schmerzens-laut. Seine hat den Jammer seines Krankenlagers imLa-zarus" und in nachgelassenen Gedichten, man wagt nicht zusagen, poetisch verklärt, aber in ergreifenden Worten zum Aus-druck gebracht; in diesen Briefen muß man ihn noch einmalmit durchleben. Aber so traurig diese Schilderungen wirken,sie wecken doch um so stärker das Gefühl, daß nur eine ganzaußerordentliche Geisteskraft in solcher Lage Ruhe und Llm-sicht, Teilnahme für alle großen Bewegungen der Zeit undsogar die Fähigkeit zu poetischen Schöpfungen sich unge-schwächt bewahren konnte.Mein Geist war nie aufge-weckter, thätiger und rüstiger wie jetzt," schreibt Seine am25. Juli 1850. Wenn Sillebrand in einem oft angeführtenBriefe mitteilt, daß der Dichter sich vornehmlich umfangreichewissenschaftliche Werke vorlesen ließ, so sehen wir den kranken,dem Verkehre mehr und mehr entfremdeten Mann jetzt dieBeihilfe der Schwester vielfach in Anspruch nehmen, umaus Samburgischen Leihbibliotheken die Erzeugnisse der neuerendeutschen Literatur sich nach Paris zu verschaffen.