Reicher Gehalt der Briefe. 203
schiedenartigsten Kenntnisse in mir aufzunehmen und werdemich in Folge desto vielseitiger und ausgebildeter als Schrift-steller zeigen. Der Poet ist bloß ein kleiner Theil von mir,ich glaube. Du kennst mich hinlänglich, um dieses zu begreifen.Deinen Rath, recht Viele in meinem Trauerspiel sterben zulassen, habe ich mir bemerkt. Ach Gott! ich wollte, ich könntealle meine Feinde darin sterben lassen." Bald darauf, am31. Januar 1824, meldet er seine Übersiedlung nach Göttingen.Auf der Lüneburger Heide, „die ein Drittel der Ewigkeit ist",„machte er aus Langeweile Verse, auch Verse an die Schwester";wahrscheinlich entstand damals die anmutige Schilderung derKinderzeit: „Mein Kind, wir waren Kinder". Die juristischenStudien, die der Muse einen „Maulkorb" anlegen, die Reisenach Berlin im Frühjahr 1824, die Doktorprüfung in Göttingen,die feierliche Promotion und, was ihr vorherging, die Taufeam 28. Juni 1825, finden in den Briefen dieser Jahre kurzeErwähnung. Nur einmal, am 8. Mai 1824, schildert erausführlich ein artiges Erlebnis in Harzgerode, und dieseSzene aus einer wirklichen Harzreise könnte in der anderenpoetisch ausgeführten ohne Veränderung einen Platz finden.Auch hier würde ich das Zitat nur nicht entgehen lassen,wenn es nicht bereits so mancher Berichterstattung über dieBriefe zur Zierde gereichte.
Im November 1825 begegnet uns Heine wieder in Ham-burg; schon dadurch erklärt sich die Beendigung des Brief-wechsels mit dem Embdenschen Ehepaar. Es beginnt dieZeit, welche für den Dichter die tiefe Abneigung gegen dieKaufmannsstadt begründete. Seine Hoffnungen auf einesichere Lebensstellung verwirklichten sich nicht; seine Herzens-neigungen fanden keine Erwiderung. Durch die Taufe fühlteer sich äußerlich nicht gefördert, innerlich mit sich selbst imZwiespalt. Er stürzte sich in den Taumel des HamburgerLebens, geriet in Unannehmlichkeiten mit seinem Onkel undauch zu seinem Schwager in einen Gegensatz. Briefe anFreunde enthalten mehrmals bittere Worte gegen Moritz