Zur neuesten Keine-Literatur.
zu haben (26. Dezember 1823). Zum Ersatz küßt er wenig-stens ihre Briefe, „die ganz das Gepräge ihrer netten Seeletragen". Auch zu Moritz Embden weiß er sich gut zu stellen,wenn auch ihre Lebensauffassung wenig übereinstimmte, oder,wie Seine sich ausdrückt, im Kopse des Schwagers dieSchrauben zu fest, in seinem eigenen zu locker geschraubtwaren. „Es ist mir lieb," heißt es schon bei der erstenGratulation am 2. Februar 1823, „daß der künstige Mannmeiner Schwester kein Revolutionär ist. Auch finde ich essehr natürlich, daß ein Mann, der ü son aise und glück-licher Bräutigam ist, nicht den Amsturz der bestehendenFormen wünscht, und für seine und Europas Ruhe besorgtist. Bei mir sind andere Verhältnisse obwaltend, und außer-dem fühle ich mich ein bißchen seltsam gestimmt, wenn ichzufällig in den Zeitungen lese, daß auf den Straßen Londonseinige Menschen erfroren und auf den Straßen Neapelseinige Menschen verhungert sind. Obschon ich aber in Eng-land ein Radicaler und in Italien ein Carbonari bin, so ge-höre ich doch nicht zu den Demagogen in Deutschland, ausdem ganz zufälligen und geringfügigen Grunde, daß bei einemSiege dieser Letzteren einige tausend jüdische Sälse, und justdie besten, abgeschnitten werden."
Für Seines Charakter und Lebensansichten enthaltendiese frühen Briefe manchen bedeutenden Zug. Von seinenliterarischen Arbeiten, überhaupt von seinen äußeren Erleb-nissen, ist verhältnismäßig wenig die Rede. Doch schickt eram 3. Mai 1823 die Tragödien, und am 9. Januar 1824widerspricht er der Meinung Charlottens, daß er an eineinneuen Trauerspiel arbeite. „Das Stück," fährt er fort,„existirt bis jetzt bloß in meinem Kopfe, wo noch mancheandere Stücke und noch viele gute Bücher bereit liegen. Aberjetzt bin ich zu krank, um etwas zu schreiben, und meinewenigen gesunden Stunden sind meinen Studien gewidmet.Es ist jetzt überhaupt noch immer die Zeit der Saat bei mir,ich hoffe aber auf eine gute Ernte. — Ich suche die ver-