196 E>n französischer Biograph 5z. 5> eines.
indessen verfehlten und irrigen Arteilen. Wäre Kerr Ducrosmit den biographischen Tatsachen besser vertraut, so würdeer nicht S. 241 die Gedichte des „Lyrischen Intermezzo"— ebenso wie die letzten Bravour-Exerzitien des TamboursLe Grand — ohne Einschränkung auf die Wirklichkeit über-tragen und nicht daraus folgern, daß Keine von der Ge-liebten Küsse, Geständnisse und Schwüre ewiger Liebe er-halten habe. Das Gegenteil ergibt sich schon aus denBriefen an Sethe und, wenn man einmal Poesie als Be-weismittel annehmen will, sogar aus der bekannten Keine-schen Klage, daß seine ärgste Quälerin ihn „nie gehaßt undnie geliebt" habe. Kerr Ducros vergleicht Keine auf seinemLeidenswege mit Dante und erinnert an das oft angeführteGedicht der „Vita nuova": „O vc>i, alle per la via ä'H.morpassate", zitiert aber so genau wie gewöhnlich „Francis" statt„Arave", und nennt es ein Sonett! Selbst in die ästheti-schen Erörterungen verfolgt ihn die Neigung, Vergleichezwischen Deutschen und Franzosen anzustellen. „Ah," rufter S. 272 aus, „welch ein Anterschied noch immer zwischendem am meisten französischen Deutschen und einem wahrenFranzosen aus Frankreich!" Ich vermeide jedoch, mehreresdieser Art hervorzuheben; selbst die gerechteste Widerlegungkönnte zu leicht als Rekrimination erscheinen, und nichts liegtweniger in meiner Absicht, als nach Kerrn Ducros' Vorgangein die wissenschaftliche Literatur einen Ton einzusiihren, derselbst in der politischen nur unerfreulich sich bemerkbar macht.
Es sei noch ein Wort gestattet über das Verfahren,das Kerr Ducros mir gegenüber einzuhalten beliebt. Dasein Buch ausschließlich Keines Jugendjahre bis 1827 zumGegenstande hat, so boten ihm meine Aufsätze „Aus KeinesJugendzeit", die 1874—75 in der „Deutschen Rundschau",1878 erweitert und in Buchform*) erschienen, manche Be-rührungspunkte. Er benutzt sie denn auch in der Weise,
y Die erste Auflage vom ersten Teil des vorliegenden Werkes.