166 Heinrich Heine und Johann Hermann Detmold.
jede große Summe vergeuden würde, oder von den Regie-rungen Beschlag darauf gelegt werde. Meine Pension wareine abgemachte Sache. Ehrlich gesagt, ich hoffte nicht auftestamentarisch großes Bedachtsein, sondern auf Erhöhungmeiner Pension. Da erhalte ich schon (den 39ten!) 7 Tagenach seinem Tode, einen wahrscheinlich am Begräbnißtagegeschriebenen großen Brief von Carl Keine, worin dieser, dersonst mein sanftester Freund, mir mit den dürrsten Wortenankündigt, mein Oheim habe mir nur 8999 Mark Vco. inseinem Testamente hinterlassen, von Pension sei nicht dieRede, er aber wolle mir jährlich 2090 Franks geben — unterder Bedingung, daß wenn ich über seinen Vater schriebe, ichvorher das Manuskript zur Durchsicht einschicken müsse.Gestern antwortete ich ihm, mit hinlänglicher Verachtung,und kündigte ihm einen Prozeß an; denn in Betreff derPension habe ich Beweißthümer der Verpflichtung. Ich er-hielt bisher jährlich 4899 Frs., die auf meine Frau nachmeinem Tode übergehen sollten. Vielleicht erwartete man,daß ich mich auf's Bitten legen würde, und ich bekäme viel-leicht das Geld wieder wie sonst. Aber ich glaube, hier wirkeich stärker durch Drohung, und letztere führt sicherer zumZweck. Der Prozeß ist keine Drohung, ich kann ihn sehrgut machen. Aber man wird, wenn jichj Ernst mache, schonfurchtsam werden und nachgeben. Das Beste muß hier diePresse thun zur Jntimidazion, und die ersten Kothwürfe aufCarl Keine und namentlich auf Adolf Kalle werden schonwirken. Die Leute sind an Dreck nicht gewöhnt, währendich ganze Mistkarren vertragen kann, ja diese, wie auf Blumen-beeten, nur mein Gedeihen zeitigen. Ich überlasse alsoIhrer Klugheit, schleunigst eine Menge kleiner Artikel inBlätter, die nach Kamburg kommen, zu fördern, worin meinOheim vertheidigt wird, warum er anderweitig als durch testa-mentarische Verfügung für mich sorgen wollte, und wie manjetzt glaubt mich in Känden zu haben, und mir droht,sogar meine Pension nicht mehr auszuzahlen — wenn ich