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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
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165
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Der Erbschaftsstreit. Brief vom 9. Jan. 1845. 1ß5

Keine auf seinen Vetter Karl, den Iugendgefährten, vondessen Krankenbette er in Paris 1832 während der Choleranicht gewichen war, und als gefährlichster Gegner erschienihm Solomon Keines Schwiegersohn, der Doktor Adolf Kalle,ein Mann von juristischer Bildung, welcher als Beirat demTestament die Fassung gegeben hatte. Keine war zuerst ent-schlossen, durch einen Prozeß sein Recht zu versechten. Aberbald mußte ihm, dem Doktor juri8, klar werden, daß diespäte Datierung des Testamentes den Dokumenten, die ihmaus früherer Zeit zu Gebote standen, den besten Teil derBeweiskraft entziehe. Er konnte wohl zeigen, daß die Pen-sion ursprünglich, nach der Absicht des Schenkers auf Lebens-zeit gewährt werden und sogar seiner Witwe zugute kommensollte: moralisch mochte Karl Keine danach zur Fortzahlungverpflichtet erscheinen, aber eine rechtliche Verpflichtung vorGericht zu erweisen, möchte schwer geworden sein. KeinesStreben ging deshalb dahin, wenigstens die moralische Ver-pflichtung durch die öffentliche Meinung bekräftigen zu lassenund die reichen Verwandten durch die Presse einzuschüchternund gefügig zu machen. Niemand konnte ihm zur Durch-führung dieses Planes nützlicher sein als Detmold. Wirsehen denn auch, wie er sich zuerst an diesen wendet. Einunbegrenztes Vertrauen spricht aus allen Äußerungen derBriefe, und Detmold ließ es an schleuniger Kilfe nichtfehlen.

XX.

Paris den 9. Januar 1845.

Liebster Dettmoldt!

In großer Noth können Sie immer darauf rechnen, vonmir seinenj Brief zu erhalten. Vielleicht haben Sie bereits vonKamburg aus gehört, welch ein großes Unglück mich betroffen.Ich meine nicht den Tod meines Onkels, sondern die Art,wie er meiner gedacht. Aus manchen Dingen hatte ich längstgeargwohnt, daß man ihm in den Kopf gesetzt, daß ich doch