Brief vom 20. Sept. 1844. Solomon Keines Tod. fgZ
So viel heut. Ich bin so blind, daß ich nicht weiterschreiben kann. Bitte, beschästigen Sie sich nur gleich mitmeinem bedrängten Buche. Vielleicht wird es Sie ein wenigzerstreuen, wenn es überhaupt Zerstreuung giebt in Momenten,wo man meint, des Teufels zu sein. Ich begreise ganz denAmfang Ihres Aergers, ich begreise ganz Ihren Verlust!Aber wenn Sie wüßten, wie viel der Gewinn oft kostet! wiedie Arzney oft heilloser und entsetzlicher ist als die Krankheit!
Ihr Freund K. Keine.
Am 9. Oktober trat Keine zur See über Amsterdamund Brüssel die Rückreise an. Aber erst wenige Monatebefand er sich wieder in Paris, als das Ereignis eintraf,welches seiner Existenz einen tödlichen Schlag versetzte. Schonals er 1843 in Kamburg war, sah man den Tod des Onkelsin nicht weiter Ferne voraus. Aber der Dichter hat damals,sowie im nächsten Jahre nichts getan, um sich ein reiches Erb-teil zu erwirken. Er stand mit Salomon Keine wieder imfreundlichsten Verhältnis; das schöne Gedicht auf das vondem Onkel gestiftete „neue israelitische Kospital in Kamburg"wurde damals veröffentlicht. So durste er wohl daraufrechnen, daß die ihm einmal ausgesetzte Pension durch dasTestament, wenn nicht erhöht, wenigstens fernerhin gesichertwürde. Aber in der Nähe des Onkels, in der nächsten Ver-wandtschaft waren manche dem Dichter schon lange gram,„die Sippen und Magen", die er in den Gedichten seinerLeidensperiode gezeichnet hat. Sie mochten die „Krallen undZähne" fürchten, welche ihm, wie er selbst schreibt, „ange-borene Waffen" waren, Waffen, die er um so gefährlichergebrauchen konnte, wenn einmal nach dem Tode des Oheimsdie Rücksichten wegsielen, welche das Verhältnis zu einemsolchen Manne einstweilen noch auferlegte. Gerade währendKeine in Kamburg war, im August 1844, ging durch dieZeitungen eine Nachricht, er werde seine Memoiren heraus-
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