Keinrich Keine und Johann Kermann Detmold.
Paris den 22. Merz 1835.
Lieber Detmoldt.
Dieser Brief ist nur die Taube, die Ihnen aus meinerArche zufliegt mit einem Blatt im Munde; wenn Sie diesesBlatt richtig erhalten und mir wieder schreiben, mag eineregelmäßigere, sicherere Verbindung zwischen uns statt finden.Ich stehe mit niemanden in Briefwechsel, aus dem Grundeweil ich nur kurz antworte auf lange Briefe, die mir nie langgenug sind. Ihr aber, was Ihr nie bedenkt, seyd im geruh-samen Deutschland, wo jeder Tag 25 Stunden hat; ich aberbin an einem Ort, wo die Zeit sich selber kaum die Zeitnimmt zu verfließen. Ich habe hier gar keine Zeit. Siekönnen sich keinen Begriff davon machen, wie viel zer-streuende Erscheinungen mich umwogen, wie viel Noth,Linsinn, Lebenskampf, Liebe, Paß und -p mir um die Ohrensaust. Was Sie in Deutschland etwa von mir hören, istnur ein gelindes Echo hiesiger Schwertschläge. Ich bitte,schreiben Sie mir viel und oft; in späteren, ruhigeren Tagenverspreche ich, gleiches mit gleichem zu vergelten. Wie wärees, wenn Sie mir alle sechs Wochen einen sehr großen Briefüber die politischen und literärischen Vorgänge in Nord-deutschland schrieben, den ich in sortlaufender Reihe auf fran-zösisch übersehe und in die Nevlle ckes ckeux monckes abdruckenlasse? Auf Verschwiegenheit von meiner Seite dürfen Sierechnen. Sie dürfen sich in dieser Correspondenz ohne Ge-fahr ihrer ganzen Laune überlassen, und da Sie diese Mit-theilungen ganz faktisch halten würden, wie es nöthig ist, sodürfen wir uns viel freudigen Spektakel dadurch versprechen.Ja, ich bitte Sie, beginnen Sie gleich, und machen Sie, daßich bald den ersten Brief erhalte. Aus Vorsicht werde ichIhnen meine Briefe immer über Pamburg schicken, und Sieaddressiren die Ihrigen an IVir. Speckt, emplo^e cie la poste,rue saint-La^arre Klo. 106 ä Paris. Versteht sich, Sie