128 Heinrich Heine und Johann Hermann Detmold.
„Im Saale der Kunstausstellung mußte man Detmoldsehen; das war sein Feld und seine Sphäre. Er sprachwenig, aber seine Worte waren Pfunde und waren Pfeile;er beobachtete nicht aus Profession und mit der Absichteines Stadtpoeten, aber wenn er etwas gefunden, wußte er'sköstlich wiederzugeben. .Kören Sie!' sagte er mir einesMorgens, indem er mich vor eine, im Tone etwas grün ge-haltene Landschaft, ich weiß nicht mehr welches Künstlerszog, .hören Sie, zu welchem Wunsche könnte Sie das Dingda begeistern?' Ich verstand ihn nicht. .Wissen Sie, waseben die Frau von . . . dabei geseufzt hat? Gott, hat siegeseufzt, die Landschaft möcht' ich besitzen, sie paßt so schönzu meinen grünen Möbeln.' So etwas war Detmold eineinnige Freude. Er trug es wie einen Schatz mit nach Kaufein sein Parterre-Zimmerlein, worin neben einer wahrhaftkünstlerischen Anordnung doch eine ausgesuchte Bequemlich-keit zu finden war. Andern Morgens wandelte dann derFund in Gestalt einer bittern Note, ohne alle Anmerkungund Zuthat, in die Druckerei des Kunstblattes, und am nächstenMittag schrie man in Kannover wieder Zeter über den .bos-haften' Detmold".
Es scheint, daß die Übersendung der vorher erwähntenSchriften Keines Brief vom 22. März 1835 veranlaßt hat.Der Dichter, immer tiefer in politische Streitigkeiten ver-wickelt, und doch mehr und mehr vereinsamt, ergriff mit Ver-gnügen die Gelegenheit, eine alte, noch immer wertvolle Ver-bindung wieder anzuknüpfen.
IV.
Kamburg, den 30. Nov. 1830.
Lieber Detmoldt!
Wie kann ich mein langes Stillschweigen gegen Sie ver-antworten? Ihr letzter Brief traf mich in einem Zustandder äußersten Bedrängniß; ich hatte meine Noth nur den