Druckschrift 
Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Detmold als Kunstkritiker.

127

nehmen und schönen Besucher und Besucherinnen beschriebenhat, fährt er fort:Ach, wir kamen uns diesen gegenüberrecht klein und demütig vor, wenn wir in unsere stille Fenster-nische gedrückt hinaus- und hineinblickten auf Kunst undNatur. Wir nämlich Detmold und ich, derselbe kleineund plötzlich so groß gewordene Detmold, der das vortreff-liche Büchlein bei Kahn hat drucken lassen: .Anleitung, binnendrei Stunden ein Kunstkenner zu werden', und der bis zuinvorigen Jahre .Kunstblätter für die Kannoversche Ausstellung'herausgab, wie sie keine andere in Deutschland aufzuweisenhat. Wir begegneten uns jeden Morgen in der Kunstaus-stellung, und wenn er auch seit seinem Buche als eine öffent-liche Autorität von einer Kälste der Gesellschaft ebensoeifrig aufgesucht wurde, als von der anderen geflohen, wäh-rend ich in glücklicher Dunkelheit, wie in einem Fausts-Mantel, mitten unter ihnen stehen konnte, ohne bemerkt zuwerden, so fanden wir doch immer eine ruhige Minute, worin wir mit einander austauschen konnten. Osterwald, derselbe Künstler, von dessen Kand die Kopien im Kunstblattegeliefert wurden, bildete gewöhnlich in unserm Bunde denDritten.

Was Detmold als Kunstrichter und Kunstkenner war,beweisen seine Artikel; aber von der Originalität seinesWesens, von seinem bizarren Kumor ü In Pope, von demewig sprudelnden und ewig treffenden Witz seiner Unter-haltung können nur die zeugen, die in kleineren Kreisen zuZeiten um ihn waren. Detmold hatte in Kannover aucheine starke Clique gegen sich, die ihn der Parteilichkeit, desbösartigen und übelwollenden Zionismus anklagte, allein dieechten und tüchtigen Künstler in Kannover, die Reichmann,Laves, Bändel, Jacobs, Andreä und andere, lassen gewißseinem Gedächtnisse alle Gerechtigkeit widerfahren, mit dersie ihn, den Anwesenden, anerkannt haben. Lind darum istdie andere Clique, wenn auch eine starke, dennoch eine sehrschwache!