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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
112
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112 Äußerungen Äeines über die musikal. Bearbeitg. seiner Gedichte.

Paris, 12. März 1851.

Geehrtester Herr!

Aus Ihrein jüngsten Schreiben ersah ich, daß Sie dieletzte Strophe meines Liedes abgeändert sehen möchten. Inder That, es will mich ebenfalls bedünken, als sei dieser Schlußfür den Componisten nicht sehr tauglich. Ich schlage Ihnenvor, diese letzte Strophe durch folgende zu ersetzen:

Der Mond, der stieg vom Äiinmel herab

And hielt eine Rede auf Deinem Grab;

Die Sterne weinten, die Vögel sangen.

And in der Ferne die Glocken klangen."

Das Lied mögen Sie immerhin anders tituliren. Ichschlage Ihnen vor, ihm die Aufschrift zu geben: Du bisttodt, oder: Du bist gestorben, oder auch: Der LiebeLeichenbegängniß.

Ich kann mir wohl denken, daß mein drittes Gedicht:Die nächtliche Fahrt, Ihnen nicht ganz verständlich sei;ich muß Ihnen aber bemerken, daß eben das Mysteriöse derCharakter und der Hauptreiz dieser Dichtung sein soll.

Ich habe heute zu viel um die Ohren, als daß ich Ihnenweitere Andeutungen geben könnte; vielleicht aber komme ichspäter daraus zurück, wenn ein Componist mit einer besonderenFrage mich angehen sollte. Ich mache Sie auf die Haupt-sache aufmerksam: Drei Personen steigen in den Kahn, undbei ihrer Rückkehr an's Land sind ihrer nur zwei. Schondurch den Reim habe ich diese Hauptsache prägnant hervor-zuheben gesucht. Es geht daraus deutlich hervor, daß einMord begangen worden, und zwar an der Schönen dieschweigend geblieben und höchstens das Wehe ausgerufenhat, welches in der vorletzten Strophe vorkommt. Lieberdie Motive des Mordes erfährt man nichts Bestimmtes;nur ahnet man, daß er ein Act der Schwärmerei: ein Lie-bender oder ein Moralrigorist oder sonst ein Heiland au petitpiecl begeht die That aus innerm Drang, nicht aber ganz