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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
90
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9g Zu Äeines Gedichten.

(Nr. IIIVI) entscheidend. Sie hat sich aus der früheren,welche die Hamburger Briefe zeigen, zu außerordentlich schönen,sorgfältigen Zügen entwickelt; gleich in den ersten Briefen ausBerlin und in allem, was sonst von Heines Hand mir vor-liegt, kommt dagegen eine eilige, daher mehr liegende undlängst nicht so feste und charakteristische Schrift zum Vor-schein. Allein jene Annahme erweist sich als irrig. DasPapier, auf welchem diese fünf Gedichte enthalten sindein Bogen und ein einzelnes Blatt in Quart trägt dasWasserzeichen j. Wliutman. Dieses selbige Zeichen mit demZusätze llonckon findet sich auch auf dem Ausschlag einesBriefes, den Eduard Gans, Heines Freund, in Berlin anFriedrich v. Raumer schickte, und das nicht genug: es findetsich auch auf Heines Brief an Sethe vom 14. April 1822.Danach würde gewiß kein Geschworenengericht mit der Er-klärung zurückhalten, die fünf Gedichte seien in Berlin zuPapier gebracht. Das Eigentümliche der Schrift, die Ver-schiedenheit von den Berliner Briefen erklärt sich wesentlichdadurch, daß die letzteren in Eile, die Gedichte dagegen alsReinschrift, mit großer Sorgfalt offenbar für einen besonderenZweck niedergeschrieben sind: ein Amstand, der denn auch nichtausschließt, daß sie in beträchtlich früherer Zeit entstandensein könnten*).

In dem vorstehenden Gedichte sind die 6., 7. und 3.Strophe von Heine im Manuskript durchstrichen und niemalsin Druck gegeben, gewiß nicht aus einem ästhetischen Grunde sie sind vielleicht unter allen die besten, sondern ausBesorgnis vor der Zensurbehörde. Es möchte ihnen auchübel ergangen sein. Denn schon ein kleines Gedicht überdie Plagen eines Berliner Rekruten, ein Volkslied, das Heinein der von Rousseau herausgegebenen ZeitschriftAgrippina"vom 11. August 1824 abdrucken ließ, war hinreichend, um

*) Vergl. hierzu die kritischen Bemerkungen in Elsters Ausgabeder Werke II, 510 f.