Rousseaus Zeitschristen. 71
schollen; nur nach vielfachem Nachsuchen ließ sich ein voll-ständiges Exemplar für die Bonner Universitätsbibliothekwieder auftreiben. Die Zeitschrift ist nicht ohne Wert, fürdie literarischen Verhältnisse der Rheinprovinz sogar sehrunterrichtend, und es lohnte sich der Mühe, gelegentlich aus-führlicher darüber zu reden. Sier ist zu bemerken, daß bei-nahe alles, was in erster Jugendzeit mit Seine literarischeVerbindung pflog, in diesem Blatt wieder zu Worte kommt;vor allem Rousseau selbst, in Novellen, ausführlichen undnicht ungeschickten Theaterkritiken, endlich in Gedichten, vondenen wenigstens einzelne über das Mittelmäßige hinaus-gehen. So die Übersetzung eines lateinischen Gedichts, inwelchem August Wilhelm von Schlegel die Nheinfahrt KönigFriedrich Wilhelms III. im September 1825 feierte. Schlegelselbst hat es später übertragen und die strengen Gesetze antikerProsodie mit gewohnter Sicherheit zur Anwendung gebracht;aber an Leichtigkeit und zuweilen an Schwung des dichte-rischen Ausdruckes steht seine Übersetzung hinter der Nous-seauschen nicht viel weniger zurück, wie die späteren Aus-gaben der Vossischen „Odyssee" hinter dem Meisterwerk desJahres 1781.
Von Schlegel bringt die „Flora" noch das Sonett anseinen Freund Windischmann, von Fouque eine Erzählungund Gedichte, freilich nur durch den Namen des Autors voneiniger Bedeutung. Wilhelm Smets, der Verfasser des„Tasso", den Seine (Werke XIII, 294 (VII, 152ss ausführ-lich besprochen und weit überschätzt hatte, tritt in dieser Zeit-schrift als lyrischer Dichter auf, Steinmann und der späteroft genannte Jurist I. D. S. Temme, unter dem NamenS. Stahl, lieferten Novellen; über Musik schreibt JosephKlein, über Literaturgeschichte der münsterische SchriftstellerRaßmann; auch Joseph Neunzig wird unter den Mitarbeiternerwähnt. Simrock beteiligte sich wenigstens insoweit, als erin einem von Julius Curtius in Berlin veröffentlichtenMusenalmanach und später im „Gesellschafter" eine Anzahl