Das Fest auf dem Kreuzberg. HZ
wie sie auf mancher Kanzel ohne Anstoß oder Aufsehenhätten verlauten können, zur Tugend und Religion, zumfleißigen Dienste im Dome des deutschen Volkes und imTempel der Wissenschaft ermahnte, darauf hinwies, daß dasVolk auf die blühende Jugend hoffe, und mit der Frageschloß, ob sich einer dem Dienste des Vaterlandes entziehenwolle. Diese Frage wurde, wie sich denken läßt, allgemeinverneint, alsdann von einem zweiten Redner ein E>och ausden kurz verstorbenen Vater Blücher und die deutsche Freiheitausgebracht, worauf alles in Ruhe in die Stadt zurück undauseinanderging. Schwerlich würde jemand daran Anstoßgenommen haben, hätte nicht Äeines Landsmann und Stuben-genosse, Joseph Neunzig aus Düsseldorf, dem befreundetenRedakteur der „Düsseldorfer Zeitung" eine stark gefärbte Be-schreibung des Festes geliefert, die dann von der zweitenÄand in einem Zeitungsartikel noch weiter verschönert wurde.Die eben angeführten Worte waren zu dem Satze entstellt:„Brüder! Auf uns ruht eine schwere Last, auf uns hofftund wartet das Volk, um das gedrückte Vaterland vomDrucke zu befreien." Für diesen löblichen Zweck sollten dieStudenten ein dreimal donnerndes Äoch ausgebracht haben.Grund genug, um damals die Behörden bis in die höchstenSpitzen in Bewegung zu setzen. Der Oberpräsident desNiederrheins, Gras von Solms-Laubach, ein überaus ver-ständiger Mann, war keineswegs zu auffälligen Schrittengeneigt. Aber infolge einer ihm zugehenden polizeilichenAnzeige sah er sich genötigt, dem eben eingetretenen RektorAugusti sein Mißfallen über den Vorgang auszusprechen,der sicher die Aufmerksamkeit der Ministerien erregen lundNachfragen veranlassen würde. Er forderte den Rektor auf,zunächst das Manuskript der Rede sich einhändigen zu lassen.Da dies durchaus nichts Anstößiges enthielt, wurde am21. November der Redakteur der „Düsseldorfer Zeitung" inUntersuchung gezogen. Dieser berief sich aber auf die Mit-teilung Neunzigs; er habe, sagte er, in dem Briefe, den er