Zu Seines Brief vom 6. Juli 1816. 17
Unzweifelhaft ist sie die Seldin einer Erzählung, welcheSeines jüngster Bruder, Maximilian, aus dem Iugendlebendes Dichters mitteilt.*) „Bei einem feierlichen Gymnasial-akt sollte Seine, in dem festlich geschmückten Saale, Schillers.Taucher' deklamieren. Eben war er zu der Stelle ge-kommen, wo der König der lieblichen Tochter winkt; da fielenseine Augen plötzlich auf die schöne blondlockige Tochter desOberappellations-Gerichts-Präsidenten sin Wahrheit desKriegsratsj von A. . . . , die mit ihrem Vater in derersten Reihe einen Platz bekommen hatte. Dreimal wieder-holte er die Stelle, ohne fortfahren zu können. Der Klassen-lehrer suchte auszuhelfen, aber vergebens, Seine hörte nichtmehr. Mit großen offenen Augen schaute er wie auf eineplötzlich erschienene überirdische Gestalt aus den goldenenSessel hin und sank dann ohnmächtig nieder. Man schriebdie Llrsache der im Saale herrschenden Sitze zu." Nachvielen Iahren erzählte Seine seinem Bruder den Zusammen-hang.
Das Gedicht an Zuccalmaglio wird man nach Formun d Inhalt in das Jahr 1816 setzen müssen. Es ist einAbschied vor der Reise nach Samburg. Zweifelhaft bleibt,wer unter dem goldenen Sterne zu verstehen sei, der ihnnach Norden zieht. Schwerlich der Stern Merkurs oderdas goldene Metall, das der Sandel einbringen sollte. Vielwahrscheinlicher ist ein anderes Gestirn gemeint, das schondamals über dem Leben des Dichters aufgegangen war undauf lange Zeit Ziel und Richtung seines Denkens undDichtens bestimmte. Der mitgeteilte Brief gibt dafür einenAnhaltspunkt. Denn das Interessanteste darin sind die Be-merkungen über Molly. Es ist jetzt bekannt genug: dieGeliebte, in so vielen Liedern, in allen Tönen des Schmerzeswie der Freude Gefeierte war Amalie Seine, die Tochter
*) Erinnerungen an Seinrich Seine und seine Familie von seinemBruder Maximilian Seine. Berlin, 1868. S. 21.
Süsser, Seine. 2