18 Aus Seines Jugendzeit. Seine und Christian Sethe.
des Oheims Salomon. Sie verschmähte den Dichter undgab am 15. August 1821 dem Gutsbesitzer John Friedländerin Königsberg ihre Kand ch. Aus diesem Briefe erfährtman aber, daß Keines junge Leiden noch weit früher be-gannen, als man bisher annehmen durfte. Er selbst hateinmal, wie Goethe in dem bekannten Sonett, für seine Liebeeinen bestimmten Zeitpunkt, und zwar das Jahr 1817, ineinem Gedichte (XVI, 226 sll, 29j) ausdrücklich genannt.Jetzt sehen wir aber: schon drei Jahre früher, wahrscheinlichin der Keimat des Dichters, hat diese Leidenschaft ihre erstenWurzeln geschlagen. Byron, welchem Keine sich zu ver-gleichen liebte, war wenig jünger, als eine ähnliche, uner-widerte Neigung für sein Leben und Dichten entscheidendwurde. Vielleicht mag der Dichter im einen wie im andernFalle nicht verloren haben, da es nach den Erfahrungenmehrerer Jahrtausende nicht zu leugnen ist, daß die Museder unglücklichen Liebe sich weit günstiger zu erweisen pflegtals der glücklichen. Aber wie teuer diese Gunst erkauftwerden mußte, wie gewaltig das jugendliche Kerz in seinenTiefen erschüttert war, davon zeugt der folgende Brief:
II.
uccepi den 23ten November 1816,rssponcki den 19ten Januar 1817.
Kamburg, den 27. Oktober 1816.
An den Ltuckioso Christian Sethe in Düsseldorf.
Sie liebt mich nicht! — Mußt, lieber Christian diesesletzte Wörtchen ganz leise, leise aussprechen. In den erstenWörtchen liegt der ewig lebendige Kimmel, aber auch indem letzten liegt die ewig lebendige Kölle. — Könntest DuDeinem armen Freunde nur ein bischen ins Gesicht sehen,wie er so ganz bleich aussieht, und gewaltig verstört undwahnsinnig, so würde sich Dein gerechter Anmut wegen des
*) Strodtmann, Seines Leben I, 48, 166, S29 u. 680.