12 Aus Ä eines Jugendzeit. Äeine und Christian Sethe.
— Mir geht's gut. Bin mein eigener Herr, und steh soganz für mich allein, und steh so stolz und fest und hoch,und schau die Menschen tief unter mir so klein, so zwergen-klein; und Hab meine Freude dran. Christian, Du kennstja den eitlen Prahlhans? Doch
Wenn die Stunde kommt, wo das Äerz mir schwillt,And blühender Zauber dem Busen entquillt.
Dann greis ich zum Griffel rasch und wild.
And mahle mit Worten das Zaubcrgebild.
— Aber auch verwünschte Prahlerey, es scheint alssey mir die Muse untreu geworden, und habe mich alleinnach Norden ziehen lassen, und sey zurück geblieben. Istauch ein Weib. Oder fürchtet sie sich vor die furchtbarenHandelsanstallten, die ich mache? Wahr ist es, es ist einverludertes Kaufmannsnest hier. Huren genug, aber keineMusen. Mancher deutscher Sänger hat sich hier schon dieSchwindsucht am Halse gesungen. Muß Dir was erzählen:
Als ich ging nach Ottensen hin.
Aus Klopstocks Grab gewesen ich bin.
Viel schmucke und stattliche Menschen dort standen.
And den Leichenstein mit Blumen umwanden.
Die lächelten sich einander an
And glaubten Wunders was sie gethan.
Ich aber stand beim heiligen Ort,
And stand so still und sprach kein Wort,
Meine Seele war da unten tief
Wo der heilige deutsche Sänger schlief:
Nun? Sieh! selbst aus Klopstocks Grab verstummt meineMuse. Nur erbärmlich mit miseruble kann ich noch zu-sammenreimen.
Hauptsächlich, lieber Christian, muß ich Dich bitten, Dichdes armen Levys anzunehmen. Es ist die Stimme derMenschlichkeit, die Du hörst. Ich beschwöre Dich bey allemwas Dir heilig ist, hilf ihm. Er ist in der größten