Vorwort.
IX
Mohr kann gehen," und möchte vielleicht auf eine erneute Darbietungdieser Materialien verzichten. Indessen, was für viele Fälle zutreffendürfte, wäre doch in dem vorliegenden schwerlich das Richtige. Des-halb nicht, weil die Art und Weife, wie uns Küffer zum Teilnehmerseiner neuen Einsichten macht, einen besonderen Reiz ausübt. Erversteht es ausgezeichnet, das Einzelne in seiner allgemeinen Be-deutung zu würdigen, er weiß es historisch und psychologisch zuinterpretieren, und er bringt eine Fülle glücklicher und überzeugenderArteile vor, die in ihrer Gesamtheit einen sehr wertvollen Beitragzur einsichtigen und unbefangenen Schätzung des Dichters undMenschen Keine bilden. Mögen die Aussätze immerhin von un-gleichem Werte sein, mögen diejenigen über Keines Gedichte undüber das Manuskript der „Romantischen Schule" nicht mehr viel be-sagen, mögen in den Erörterungen über Keines Geburtsjahr kleineWiederholungen stören, das Ganze dieser Schriften ist doch derart,daß es kein Freund und Verehrer des Dichters missen möchte; undein Mann, dessen Forschung so dauernde Spuren hinterlassen hat wiediejenige Küsfers, ein Mann, ohne dessen Leistungen das Charakter-bild Keines um wesentliche Züge ärmer sein würde, der hat wohlein Anrecht daraus, daß wir seinem besonnenen Fleiße überall mitAnteil begegnen. Was er uns sagt über Keines Stellung zu Religionund Politik, über seinen Witz, seinen Familiensinn, seine rein mensch-lichen Züge, sein Wohlwollen gegenüber Bedrängten, sein nachsichtigesEntgegenkommen gegenüber Freunden, ist nicht in der Wallung einesaugenblicklichen Gefühls niedergeschrieben worden, sondern mit kluger,weitschauender Überlegung. Dadurch erzielte Küffer den großen Ge-winn, daß er wohl niemals etwas zurückzunehmen hatte, oder daß ersich gar im Laufe der Jahre in Widerspruch gesetzt hätte zu seineneigenen Behauptungen. Vielleicht wäre hier und da ein schärferesWort am Platze; Küsfers Tadel, der natürlich auch nicht ausbleibt,ist immer reichlich zahm. So würde es befreiend wirken, wenn erbei Mitteilung der Briefe Keines an Detmold einmal mit kräftigerFaust dazwischen schlüge. Aber die milde Ruhe, die Küffer überallbewahrt, gehört zu den schönen Vorzügen seines reinen Charakters,und wer möchte verlangen, daß sich diese abgeklärte Koheit, diese edleGelassenheit, die zu dem Kumanitätsideal unsrer Klassiker hinanstrebt,in den Ingrimm einer harten Willensnatur verwandelte? Küffer wargewiß kein Freigeist, aber ein wahrhast freier Geist; er wird denjenigen.