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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
VII
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Vorwort.

VII

doch nur einige Male Gelegenheit gehabt, in persönlicher Begegnungden starken Eindruck seines wissenschaftlichen Reichtums und seinesabgeklärten Urteils zu genießen. Daher drängte es mich, in jenenPfingsttagen nach Bonn zu eilen, nur um ihm in Verehrung die5>and zu drücken; denn er hatte das 73. Lebensjahr vollendet, undtrübe Anzeichen seiner Gesundheit mahnten daran, daß dem rastlosenFleiß des unermüdlichen Forschers bald ein Ziel gesteckt werdendürfte. Als ich ihm nach Stunden, die mir immer unvergeßlichbleiben werden, unter vier Augen Lebewohl sagte, bat er mich, ihmbei einer zusammenfassenden Veröffentlichung seiner Studien über5zeine behilflich zu sein oder, wenn ihm Zeit und Kraft dazu nichtmehr geschenkt sein sollte, mich dieser Aufgabe selbständig zu unter-ziehen. Zu einer gemeinsamen Arbeit ist es nicht mehr gekommen:der Tod hat ihn abgerufen, ehe wir uns über die Anordnung desBuches genauer besprochen hatten.

Diese Sachlage ist nicht ohne Einfluß geblieben. Der Verfasserselbst würde vielleicht an manche Stelle die bessernde 5)and gelegthaben, die ich unverändert wiedergegeben habe. Ich sage: vielleicht;denn Äüffer brachte fast immer so gründlich durchgearbeitete und aus-gereifte Forschungen aus den Markt, daß nachträglich nur seltenetwas zu ändern war. Wo er wirklich einmal geirrt hatte oderdurch neu zutage getretene Untersuchungen berichtigt worden war,habe ich mit wenigen Strichen das Erforderliche einsetzen können. Abersolche Fälle sind selten; sie haben keine Bedeutung für das Werk. Undwäre dem nicht so gewesen, hätte ich die Pflicht gefühlt, im Interesseder Wissenschaft tiefere Eingriffe vorzunehmen wer weiß, ob nichtdas Ganze dadurch in sich zusammengefallen wäre; ich wäre vielleichtder Gefahr erlegen, die Ansichten des Autors durch meine eigenenzu verfälschen oder von seinem reizvollen Stil den Schmelz undBlütenstaub zu tilgen. Bei der Art von Küffers Schaffen ist vonalledem nicht die Rede: das Buch ist ganz und unverändert seineigen, in Inhalt und Form. So wie es ist, mag es willkommen sein,und so wird es willkommen geheißen werden.

Doch, wie gesagt, er selbst würde vielleicht gleichwohl einen an-dern Weg eingeschlagen haben als ich: er würde vielleicht durch ent-schiedenen Griff das Ganze anders zugeschnitten haben, als ich es tundurfte. Es lag in seiner Absicht (wie ich aus einem von ihm hinter-lassenen Blatte ersehe), die Aufsätze derart zu ordnen, daß sie sich