Druckschrift 
Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
VI
Einzelbild herunterladen
 

VI

Vorwort.

Obwohl Professor des Staats- und Kirchenrechts, hat Süsserdoch ganz überwiegend als Historiker eine ungemein reiche schrift-stellerische Tätigkeit entfaltet, und zwar sind es die Jahrzehnte desausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts, über die erbahnbrechende Forschungen veröffentlicht hat; vor allein haben seineArbeiten über die Zeit der französischen Revolution und des Napo-leonischen Kaiserreichs, trotz der peinlichen Fehde mit Sybels Autoritätdie steigende Anerkennung der Fachkreise erfahren. Bei alledem warenes in erster Linie die Beziehungen Frankreichs zu den deutschen Län-dern, und namentlich zu denen des Westens, was Süffers wissenschaft-liches Interesse in Anspruch nahm; sein warmes Serz für die Geschickeder Seimat wies seiner Forschung die Wege. And eben dieser Zugseines Serzens führte den feinsinnigen Liebhaber der Poesie auch zustreng wissenschaftlicher Beschäftigung mit der größten DichterinWestfalens, Annette von Droste-Sülshoff, und mit dem SängerderLorelei".

Es ist weder hier der Ort, noch meines Amtes, der historischenArbeiten Süffers genauer zu gedenken. Aber wie in seiner ausge-zeichneten Biographie der Annette von Droste, so auch in seinenSchriften zur politischen Geschichte vereinigte Süsser das gründlichsteQuellenstudium mit feinsinnigem Arteil und ungemein geschmackvollerDarstellung. Beharrlicher Fleiß, kluge Besonnenheit und die mildeRuhe einer humanen Weltanschauung sind allen seinen Arbeiten ingleichem Maße zustatten gekommen; diese herrlichen Gaben begründenauch den dauernden Wert seiner Forschungen über Seinrich Seine.

Es war an einem schönen Iunitage des Jahres 1903, als ichSermann Süsser zum letzten Male sprach. Wir waren uns in einemnahezu zwanzigjährigen, ziemlich regen brieflichen Austausch nahe ge-kommen, soweit es ein erheblicher Altersunterschied gestatten mag; wirhatten uns in unseren beiderseitigen Bemühungen um das VerständnisSeinrich Seines oft zustimmend berührt, sein und mein Arteil über dieGesamterscheinung des Dichters gelangte zu ähnlichen, wenn auchnicht identischen Ergebnissen, und wie ich mehrere Antersuchungen desverehrten Mannes schon vor der Veröffentlichung kennen lernte, sowar es mir stets von höchstem Wert, über jede einschlägige Arbeitaus meiner Feder in erster Linie sein verständnisvolles, kritisches Wortzu vernehmen. Aber so harmonisch und für mich im Innersten er-freulich ein solcher geistiger Verkehr mit Süsser war, so hatte ich