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der Stuttgarter Werkbund-Ausstellung: daß sie im Interesse des Ansehens Berlinsnicht dort stattfand. Eines bedauere ich ganz außerordentlich: daß die bestenAbsichten der Walter Gropius und Le Corbusier durch die Stuttgarter Ausstel-lung diskreditiert wurden (s. S. 191,179). Aber die überhebliche Herausforderung, diefreilich nicht von diesen beiden Männern ausging, besonders an die deutsche Heimat-schutzbewegung 1 ! Über die im Kern so gut erdachte, in der Auswirkung verun-glückte Ausstellung müssen wir wieder hinauswachsen. Heimatschutz und DeutscherWerkbund müssen sich wieder finden, wie auf der Kölner Ausstellung 1914. „Siewerden oft getrennt marschieren und sollten doch vereint schlagen, anstatt sichgegenseitig zu bekriegen und damit die allgemein deutsche Krankheit der Zer-splitterung mitzumachen", wie Werner Lindner mit Recht sagt.
Wie die blendenden Theorien der Berliner Baumeister über utopistische Bau-kunst in den Rheinlanden keinen Boden fanden (s. S. 188, 106), so finden auch die„Internationalen von Stuttgart" bei uns am Rhein kein Echo. Wenn ich trotzdembei der Stuttgarter Ausstellung länger verweilte, als ich wollte, so war es wegen deswichtigen Themas „Siedlung", dieser dringendsten baukünstlerischenAufgabe der Gegenwart. Was haben unsere niederrheinischen Städte nachdem Weltkriege geschaffen? Ich sagte schon in der Einleitung, es sei charakte-ristisch für die einzelnen Orte (s. S. 3): Düsseldorf und Köln bauten Ausstellungs-paläste und Hochhäuser, d.h. monumentale Repräsentation; Oberhausen Lager-und Bürohäuser, und Essen die Börse, d. h. monumentale Zweckbauten. Demgegen-über bedeuten die neuen Siedlungen in Essen, Duisburg und Köln noch wenig.Das stimmt einen ernst und nachdenklich! Im Sommer dieses Jahres hatte ich diesehr große Freude, einen ganzen Tag mit dem hochbegabten und klugen WillemMarinus Dudok in seiner schönen Schöpfung Hilversum verleben zu dürfen.Dudok ist wohlunterrichtet über neue rheinische Baukunst. Wir hätten, meinte er,so viele tüchtige Baukünstler bei uns im Lande, aber unsere Städte litten an einerkostspieligen Krankheit, an der „Expositis". — Dachte er an die in der Tat kost-spieligen Ausstellungspaläste zu Köln und Düsseldorf, die viel dringendere Auf-gaben, nämlich die Bekämpfung der Wohnungsnot, in den Hintergrund gedrängthaben? Videant consules! Das Prunkschloß zu Versailles hat das französischeKönigshaus nachher mit dem Kopfe auf dem Schafott bezahlen müssen! Be-kämpfung der Wohnungsnot — tiefernst erschütterndes Thema der Gegenwart!Mit der großen Siedlungsarbeit hat Holland den Kommunismus bekämpft! —Videant consules!
Willem Marinus Dudok entwickelte mir auch seine Zukunftsaufgaben in Hilver-sum: In der und der Zeit wird der dauernd wachsende Ort einen Zuwachs habenvon soundso viel tausend neuen Seelen; das bedingt soundso viele neue Wohn-stätten und soundso viele neue Schulklassen in der intimen Freudigkeit, in derDudok Schulen einzurichten und auszustatten weiß. Dazu kommen neue Kirchen,
1 Der „Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollem" konnte das nicht still-schweigend hingehen lassen. Das „Schwäbische Heimatbuch" 1928 hat die Protestäußerungender besten Namen in Deutschland zusammengestellt. Der Werkbund kann infolge der Aus-stellung leider auch den Austritt guter Namen verzeichnen.