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hing" anpries, ist eine maßlose überhebliche Reklame, was man im bürgerlichenLeben nennt: Verstoß gegen die guten Sitten. Das ist bezeichnend gewesen fürdie ganze Ausstellung. Es begann bereits mit dem Plakat, das Dinge von 1900 hin-stellte als Charakteristikum unserer deutschen Wohnkultur von 1927, die erst das„Neue Bauen" der sechzehn Internationalen von Stuttgart zu beseitigen berufenwären. Alle Kämpfe in Deutschland seit der Jahrhundertwende werden einfachhinweggeleugnet. Eine bewußte Irreführung 1 ! Man kann weder das „Berliner Tage-blatt", noch seinen leider in diesem Jahre verblichenen Fritz Stahl rückständig-heimatschützlerisch nennen, wohl aber kann man Wort für Wort in Fritz Stahls Aus-führungen über die Stuttgarter Ausstellung unterschreiben: „Eine ausgesprochenePropagandaausstellung für eine bestimmte Richtung, noch mehr für einen kleinenKreis ... Die Dreistigkeit, mit der dieser Kreis tut, als ob es in der Welt nur ihnund seine Freunde gäbe, lebt von der Willensschwäche und der Denkunfähigkeitder anderen. Deutschland hat mindestens zwei Jahrzehnte einer gesunden bau-künstlerischen und kunsthandwerklichen Entwicklung hinter sich, die aus Eigenem,im Anschluß an die gute Tradition gewachsen ist ... Überall führt (heute) dasgrößte Mundwerk und nicht das beste Handwerk. Kein Wunder, daß diese Dreistig-keit keine Grenzen mehr kennt ... Daß überall bei uns Häuser und Siedlungen ge-baut und Wohnungen eingerichtet werden, die, ohne dem Programm dieser Rich-tung zu folgen, ebenso gut für alle wirklichen Bedürfnisse sorgen wie die ihrigen,wird einfach weggelogen; ich kann kein milderes Wort finden ... Der verbissenePuritanismus der neuesten Richtung ist ein Irrtum, der wie die Irrtümer der neuenÄsthetik nur den Talentlosen zugute kommt ... Ist das Wohnungs- und Haus-problem überhaupt nur ein praktisches und wirtschaftliches? Und kann es inter-national gelöst werden, wie die Anhänger der neuen Baukunst meinen? Man kannsagen: wir sind in Wohnungsnot, und das einfachste und am schnellsten herstell-bare Obdach muß genug sein. Aber zwischen einer Anerkennung dieser Notwendig-keit und der Ableitung eines Dogmas aus ihr ist ein großer Unterschied. Für denDeutschen jedenfalls ist die Wohnung immer noch auch eine seelische Angelegen-heit usw." — Aber gerade die „seelische Angelegenheit" soll ausgeschaltet werden!Der Mensch sei nicht mehr Individuum, sondern Maschinenprodukt. PersönlicheZweckmäßigkeit hat sich vorgeschriebener Form unterzuordnen, also dekretierendie „Internationalen Volksbeauftragten der Neuen Baukunst" von Stuttgart.Das nenne ich Sowjetrußland. Diese Stuttgarter sowjetistische Gleichmache-rei, weit entfernt von dem, was wir bisher unter Typisieren verstanden, war auchnur in Deutschland möglich, wie auch nur ein Land wie Deutschland auf der „Pressa"zu Köln in diesem Jahre Sowjetpropaganda zulassen konnte! Eines fand ich gut an
1 Der ehrliche und prächtige Belgier Henry van de Velde, der durch den Weltkrieg seinezweite Heimat, Deutschland, verloren hat, der er aufrichtig nachtrauert, könnte die sechzehnInternationalen eines besseren belehren: „Das Zentrum des Kampfes blieb Deutschland. Ichhabe in Deutschland am Kampfe für den neuen Stil von der ersten Stunde an, da die Idee dorteindrang, bis zum Augenblick der Kriegserklärung mitgekämpft ... Ich bin also besser als irgend-jemand imstande, mich dafür zu verbürgen, mit welch aufrichtiger Anspannung, mit welcherKraft des Willens Deutschland sich in den Dienst der Idee des neuen Stiles stellte."