155
XIV.
Emil Fahrenkamp ist der jüngste der hier behandelten Baumeister. Er trateigentlich erst nach dem Weltkrieg in Erscheinung. Dann reihte er Wettbewerbs-erfolg an Wettbewerbserfolg. Vor dem Kriege hatte er als Schüler der TechnischenHochschule zu Aachen, dann als Kreis' Assistent in Düsseldorf und dort als Lehreran der Architekturabteilung der Kunstgewerbeschule beobachtend und mitarbeitenddie ganze Entwicklung des Garens und Werdens moderner Baukunst miterlebt.Das gab ihm bei seinem Auftreten nach dem Kriege die große Sicherheit des Ent-werfens. Er wußte zu genau, um was es sich heute baukünstlerisch handelt. Er istspäter weder Schüler der Technischen Hochschule zu Aachen geblieben, von derendamaligem Stilformalismus er sich schon in seinen kleineren Jugendarbeiten frei-machte, noch ist er, im Gegensatz zu vielen anderen, unter den Einfluß Kreisschersuggestiver Architekturdiktatur geraten. Man kann im Gegenteil bei manchen vor-kriegszeitlichen Arbeiten Kreis' genau herausfühlen, wo die Spezialaufgabe seinesAssistenten einsetzte. Kreis und Fahrenkamp sind zwei ganz verschieden gearteteKünstlerpersönlichkeiten. Das ist nicht allein Zeitunterschied an Jahren und daßder ältere mit viel größerer Belastung des 19. Jahrhunderts zu kämpfen hatte alsder jüngere. Kreis ist Nassauer, Fahrenkamp ist Niederrheinländer mit allen Vor-zügen und Nachteilen eines Rheinländers. Er stammt aus dem lebenslustigen,musikfreudigen und mit großem Sinn für Eleganz begabten Aachen, dem auchder erfolgreiche Städtebauer Hermann Jansen (Berlin), der phantasievolleLudwig Mies van der Rohe (Berlin) und der Hochhausbaumeister Jakob
Düsseldorf.
Lagerhallen der Rheinischen Stahlwerke. Erbaut 1924. Vgl. Bild S. 154 u. 157. Architekt Emil Fahrenkamp.