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IV.
Peter Behrens 1 hätte 1903, als er nach Düsseldorf berufen wurde, für die Stadtund ihre bauliche Entwicklung vieles bedeuten müssen! Aber er fand bei denin Frage kommenden Stellen und Persönlichkeiten, wie bei der Architekten- undKünstlerschaft ebensowenig Verständnis, wie Förderung seiner künstlerischen Ab-sichten. Die Gründe der damaligen Zustände in Düsseldorf sind heute verständlich.Düsseldorf sonnte sich als Kunststadt an dem großen Erfolg der Ausstellung von1902 und an dem neuen Kunstausstellungspalast — diesem unvergeßlichen Ge-schenk des damaligen Sekretärs der Düsseldorfer Kunstakademie, Professors FritzRoeber, an Künstlerschaft und Stadt — sonnte sich an der Vorbereitung für dieAusstellung 1904, die Düsseldorfs Ansehen in noch strahlenderem Lichte erscheinenlassen sollte, an der großen Nachfrage nach Düsseldorfer Kunst, d. h. DüsseldorferBildern im Kunsthandel, und an den großen monumentalen Staatsaufträgen, dieder Akademiedirektor Peter Janssen, Eduard von Gebhardt und deren Getreuen er-hielten. Alles drehte sich in Düsseldorf um Malerei und Bilderausstellungen. Da-neben war man stolz auf die Gartenstadt des 18. Jahrhunderts und aus dem Anfangdes 19. Jahrhunderts und Künstlerfeste im Malkasten und dachte darüber in garkeiner Weise an das Bild der baukünstlerischen Gestaltung der stetig wachsendenStadt. Man dachte eigentlich über die breiten Baumreihen der schönen Königsalleestädtebaulich nicht hinaus. Bis zum Ausgange des 19. Jahrhunderts hatte die da-mals noch in Grün gebettete und noch kleine Stadt mit ihren vornehm bescheidenenWohnhäusern es auch nicht nötig. Düsseldorf hat die „Gründerrenaissance" erstdann erlebt, dann aber auch im Schnellzugstempo! Die berühmte „Ära Marx" inDüsseldorf — Oberbürgermeister Wilhelm Marx war menschlich eine der prächtigstenErscheinungen, die mir je begegnet sind — war schlimmste materielle Bodenspeku-lation ohne Sinn für künstlerische Gestaltung! Altgeschichtliche Baudenkmälerwurden behandelt wie lästiger Kram, denn, so meinte damals eine der führendenPersönlichkeiten im Stadtparlament, Düsseldorfs Bedeutung beginne erst mit derGroßen Gewerbe- und Kunst-Ausstellung von 1902!
Was hätte in solch einer Kunststadt ein Peter Behrens bedeuten können! Dochich entsinne mich noch der Erfolge seines ersten Auftretens: Seine Beteiligung ander Gartenbau-Ausstellung 1904 brachte ihm bei den Malkastenkünstlern denEhrentitel ein: „Lattenpitter"; erst recht die Bauten im folgenden Jahre auf derNordwestdeutschen Kunstausstellung zu Oldenburg. Die technischen wie diewissenschaftlichen Kunsthistoriker wiesen seinem Krematorium in Delstern beiHagen i. W. (1907) nach: mißverstandene toskanische Vorrenaissance; vergleicheDom und Campanile des Domes zu Florenz oder San Miniato al Monte auf demanderen Arnoufer. Dasselbe galt für die Entwürfe der Fußböden und die gesamteAusstattung und Gliederung. — Jawohl! Der technisch nicht vorgebildete Maler,der Häuser bauen will! Mag er bei seiner Ausstellungsarchitektur bleiben, die nach-her wieder abgerissen wird, Düsseldorf und Oldenburg, dann das Tonhaus auf der
1 Fritz Hoeber, „Peter Behrens" (München 1913). — Paul Joseph Cremers, „PeterBehrens. Sein Werk von 1909 bis zur Gegenwart." (Essen, G. D. Baedeker.) Auf dieses Buchkomme ich später noch zurück.