1903 Peter Behrens übernimmt die Leitung der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule.
1904 Gründung des „Deutschen Bundes Heimatschutz".
1905 Hendrik Petrus Berlages „Gedanken über den Stil". — Gründung der Zeit-schrift „Städtebau".
1907 Gründung des „Deutschen Werkbundes" und des „Rheinischen Vereins für
Denkmalpflege und Heimatschutz".Diese Angaben beziehen sich auch auf außerrheinische Herkunft, England, Holland,Wien, Darmstadt usw. Aber diese Beziehungen sind ja auch für die Gesundung derBau- und Wohnverhältnisse in den Rheinlanden bedeutungsvoll gewesen; und wennich von den Rheinlanden rede, so denke ich in erster Linie an die Großstädte desNiederrheins, an Düsseldorf, Essen und Köln, auf die sich die neue Bewegung in denRheinlanden konzentrierte und die in ihrem großen Wachstum auch die wichtigstenneueren Bauaufgaben stellten, an denen die Entwicklung in den Rheinlanden seitder Jahrhundertwende am augenfälligsten zu verfolgen ist. Dabei ist es interessantzu beobachten, wie nach dem Charakter dieser Städte und ihrer baulichen Aufgabendie Entwicklung eigene örtliche Prägung erhielt. Da ist Düsseldorf, die Garten-und Kunstausstellungsstadt, mit der früheren Musteranstalt einer fortschrittlichenKunstgewerbeschule, die seit 1918 in die Kunstakademie aufgegangen ist; da Köln,die Handelsstadt, lange Zeit belastet durch jahrhundertalte Überlieferung und deneinschnürenden, jede Entwicklung hemmenden Festungsring; da Essen an der Ruhrmit seinen großen Siedlungsaufgaben, die Industriestadt, im 19. Jahrhunderteigentlich erst geworden und daher ohne starke geschichtliche Belastung.
II.
Zunächst, wie war das Bild um 1900? — „Fin du siede" ; dieses Wort vomAusgange des Jahrhunderts ist eine sehr charakteristische Bezeichnung. In denKarikaturenblättern sah man auffallend übertrieben und höchst unpraktisch ge-kleidete, auf Äußerlichkeit abgestimmte elegante Männer, energie- und geistlos in ihremNichtstun sich langweilend. Unterschrift: fin du siecle; am Ende eines eigenartigenJahrhunderts, das in sich voller Widersprüche und Kämpfe war, nicht recht wis-send, wohin man gehört, in einer unbestimmten Vorahnung, daß etwas Neues kom-men muß, weil das Alte inhaltlose Schablone geworden war. Die bildende Kunst— Baukunst, angewandte Kunst und Kleidung — ist Spiegelbild dieser Dinge.Wohl hatte die Technik neue Formen aus der Konstruktion und dem Zweck herausgeschaffen, aber die Baukunst hatte im 19. Jahrhundert noch einmal den ganzenLauf der kunstgeschichtlichen Entwicklung wiederholt. „Der Kunstjünger durch-läuft die Welt, stopft sein Herbarium mit wohl aufgeklebten Durchzeichnungen allerArt und geht getrost nach Hause, in der frohen Erwartung, daß die Bestellung einerWalhalla ä la Parthenon, einer Basilika ä la Monreale, eines Boudoirs ä la Pompeji,eines Palazzos ä la Pitti, einer byzantinischen Kirche oder gar eines Bazars intürkischem Geschmack nicht lange ausbleiben könne, denn er trägt Sorge, daß seineProbekarte an den rechten Kenner komme. Was für Wunder uns aus dieser Er-findung erwachsen? Ihr verdanken wir's, daß unsere Hauptstädte als wahre„extraits de mille fleurs", als Quintessenzen aller Länder und Jahrhunderte empor-