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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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wirkend (s. S. 127). Willem Marinus Dudok, der Schöpfer des neuen Hilver-sum bei Amsterdam, der je nach Bedarf Steil- und Flachdächer verwandt hat, sagtin bezug auf das Flachdach ganz richtig:Ich bin kein Doktrinär und kann michnicht festlegen und werde stets aus der Aufgabe heraus und mit allen Mitteln derTechnik versuchen, das Richtigste und Beste zu machen".

So war es doch bisher: Die Baukunst suchte sich dem Rhythmus des Land-schaftsbildes anzupassen, die örtlichen Gegebenheiten formal weiterzuentwickeln,denn das ist schließlich doch eine Binsenwahrheit, daß das Wohnhaus in Damaskus,das Schweizerhaus, wie das Landhaus an oberitalienischen Seen, das nord- und süd-deutsche Bürgerhaus aus der Landschaft heraus entstanden sind. SüddeutscheBaukünstler haben sich am Niederrhein dem Charakter und den klimatischen Ver-hältnissen des Landes anzupassen gewußt. Nun kommt aus Stuttgart die Erleuch-tung derInternationalen Baukunst", die dergleichen Sentimentalitätennicht mehr kennt. Der Deutsche Werkbund hatte den Belgier Viktor Bourgois, diebeiden Holländer J. J. P. Oud und Mart Stam, den Österreicher Josef Frank, denfranzösischen Schweizer Le Corbusier, zwei Breslauer und sechs Berliner beauf-tragt, unter der Oberleitung von Mies van der Rohe gemeinsam mit zwei StuttgarterArchitekten zunächst einmal den Schwaben vorzuführen,was führende euro-päische Baukünstler an neuen Gedanken und Erfahrungen zum Wohnproblem zusagen haben". Internationale Baukunst und ihr Merkzeichen das Flachdach ausneuen Konstruktionen und neuem Baumaterial geschaffen verwechselt man daBaukunst nicht doch mit internationalen technischen Errungenschaften? Inter-nationale oder international gewordene technische Errungenschaften waren die Ge-wölbekonstruktionen der weltrömischen Baukunst, der romanischen und gotischenEpochen, wie heute Eisenbeton. Abwechselungsreich wie das Bild der weltrömi-schen Baukunst und des Mittelalters durch völkische und landschaftlich-klimatischeVerschiedenheit, ist auch das Bild unserer Eisenbetonbauten, wenn wir von reinenIndustriebauten absehen. Man sagt nun: Eisenbahn, Auto, Flugzeug, Radio undunsere Kleidung lassen alle nationalen Unterschiede schwinden. Nun, so müßteder internationale Frack Chamberlain, Briand und Stresemann ja zu Alliiertenmachen. Jeder Vergleich mag hinken. Können aber Errungenschaften derZivili-sation" wirklich Unterschiede geistiger und künstlerischerKultur" der Nationenganz ausgleichen? Dazu kommt noch, daß Gebirge und Ebene und klimatischeVerhältnisse an die Baukunst immer ihre sachlichen wie formalen Forderungenstellen werden. Nicht einmal der Himmel über uns ist uniformiert, das wissenDr. Eckener und Hauptmann Kohl, geschweige, daß unser Europa so einfach zuuniformieren wäre. Auch die politische Einheit der Vereinigten Staaten von Nord-amerika hat ihre Städte und Landschaften baukünstlerisch nicht uniformierenkönnen, denn würde wohl ein Frank Lloyd Wright seine durch Klima bedingtenund so vorbildlich dem Landschaftsbilde angepaßten Landhäuser im heißenKalifornien auch an der winterlich kalten Ostküste von New York errichtet haben?

Die Probleme, die sich die Stuttgarter Ausstellung stellte, gehen einen jedenvon uns an. Es war ein lehrreich interessantes Experiment, aber auch nur einExperiment. Daß aber dieser kostspielige Versuch sich selbst alsMustersied-