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haben: „Halbseide"? Lange Zeit ging dahin, bis der künstliche Backstein, alsoIndustrieprodukt, Surrogat, aus sich heraus in malerischen Schloßbauten, Stadt-toren, Rat- und Bürgerhäusern künstlerische Werte entwickelte, die in der Anpas-sung an das Landschaftsbild heute mit den Hauptreiz des Niederrheines darstellen.Der lange verfemte Kunststein neuerer Zeit ist ebenso wie der Backstein Kunst-produkt. Wir sind ein Volk der Erfinder. Es ist Sache des Baukünstlers, eine Er-findung künstlerisch auszuwerten. Gegen Schaffung und Verwendung neuer Bau-stoffe und Bauausführung und das Weiterentwickeln baulicher Ausdrucksweisewendet sich auch niemals ein gesunder und künstlerisch eingestellter Heimatschutz.Aber die marktschreierische Reklame mit noch nicht erprobten neuen Baumateria-lien auf der Stuttgarter Ausstellung wirkte in hohem Maße unerfreulich! Ebensodie Propaganda für das flache Dach.
Die These „Flachdach = neue Baukunst" und „Steildach = überlebte histo-rische Baukunst" kann nur ein kenntnisloser Kopf aufwerfen. Flache Dächer hates immer gegeben, auch bei uns. Flachdach oder Steildach ist Sache klimatischer,wirtschaftlicher, landschaftlicher, städtebaulicher und maßstäblich optischer Vor-aussetzungen. Das Steildach dient im Norden höchst zweckmäßig dem Ablauf derNiederschläge und ist beim Kleinbau der für den Haushalt notwendige Abstellraum.Der Dachraum ist ferner als Isolierraum dem Hause im Sommer Schutz gegenHitze, im Winter gegen Kälte. In Südeuropa, im Orient und in Afrika, den Länderndes flachen Daches, sind ja ganz andere Voraussetzungen gegeben. Stellt sich einFlachdach in eine Häuserzeile von Steildächern, so ist meistens der ganze Rhyth-mus des Straßenbildes unterbrochen. Ganz anders liegen die Verhältnisse beimfreistehenden Hause, beim Schloßbau und Landhaus, die sich in Terrassen zur Land-schaft öffnen und die in ihrer räumlichen Ausdehnung ebenso wenig eines Abstell-raumes im Söller bedürfen, wie ein Fabrikbau oder öffentlicher Monumentalbau.Die hier in dieser Aufstellung wiedergegebenen Bilder neuerer Arbeiten von Abel,Bonatz, Fahrenkamp, Fischer, Körner, Kreis (s. S. 112—114, 116—119, 124—129,132—134, 136, 138, 139, 141, 146, 147, 149—151, 153, 155, 159, 161, 162b) sind an-schauliche Beispiele dafür. Dachgärten bei Krankenhäusern sind eine sehrerwünschtezweckmäßige Angelegenheit 1 . In Alpen im Kreise Mors ist in diesem Jahre eine Kreis-jugendherberge fertig gestellt worden, hochgelegen, hoch oben von einer PlattformAusblick auf das weite Land. In den einzelnen Geschossen, dem hügeligen Geländeganz vorzüglich angepaßt, Terrassen für die verschiedenen Schlafsäle, Eß- und Ge-sellschaftszimmer. Und nun das flache Dach im Straßenbilde. Bei hoch- und mehr-geschossiger geschlossener Bauweise sieht der Fußgänger die Dachlinie doch nichtmehr. Das Dach tritt daher zurück. Breite Horizontalbänder fassen hoch oben denStraßenzug ein. So beim Ausbau des Breidenbacher Hofes in Düsseldorf (s. S. 158bis 168), so der Ehrenhof der Gesolei (s. S. 124, 125), vom Hochhaus gar nicht zureden (s. S. 116—119), so die Gesoleibauten von der Rheinpromenade aus gesehen(s. S. 126), freilich von der hohen Rheinbrücke aus weniger glücklich, eintönig flach
1 Ich möchte noch erwähnen, daß das Wohnhaus von Körner auf S. 139 ursprünglich alsPrivatsanatorium gedacht war und daher die vielen Plattformen erhalten hat. Als freistehen-des Eckhaus am locker bebauten Camillo-Sitte-Platz in Essen stört der Bau nicht.