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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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rative Künste und Gartenarchitektur der Kunstgewerbeschule sollten der Akademieein neues Rückgrat schaffen. 1918 waren nach langen Ressortschwierigkeiten beideKunstschulen endlich unter einem Hut. Roebers tiefes Verständnis für die neu-zeitlichen Siedlungsaufgaben des stetig wachsenden Industriegebietes baute dieaufgefrischte Akademie noch aus mit dem Lehrfach für Siedlungswesen und Städte-bau 1 .

Mit der Ausbildung der Baukünstler allein ist es nun nicht getan, es muß auchder Kunstunterricht auf unseren höheren Schulen ein anderer werden. Fritz Roeberbegrüßte es, daß Kunstgeschichte als Lehrfach in den Unterrichtsplan der Schulenaufgenommen wurde, denn, ganz klar, das Bild des Schlosses von Versailles unddes zerstörten Heidelbergs gibt eine anschaulichere Vorstellung von Ludwig XIV.von Frankreich, als die Daten seiner Feldzüge, und das Kruppsche Siedlungswerkvon sozialen Aufgaben eindringlicher als der Wortlaut der Gesetzgebung. Aberdas ist nur geschichtlicher Hilfsunterricht, hat mit eigentlichem Kunstunterrichtnoch nichts zu tun. Fritz Roeber wies immer darauf hin: Dozent für Musik-geschichte an der Universität kann man nur werden, wenn man ein Musikinstru-ment beherrscht; der Dozent für Kunstgeschichte braucht nicht einmal zeichnenzu können, und doch ist gerade Zeichnen die wichtige Vermittlung für den Schüler.So kam Fritz Roeber der Gedanke einer vertiefteren künstlerischen und kunst-wissenschaftlichen Ausbildung unserer Zeichenlehrer für den allgemeinen Kunst-unterricht an unseren höheren Schulen. Den Erfolg hat Fritz Roeber nicht mehrerlebt. Er hat unvollendet ein großes und für die Allgemeinheit wichtiges Erbehinterlassen.

Der Zeitabschnitt, der hier von der Jahrhundertwende ab behandelt wurde,wird eingeteilt durch drei Ausstellungen: 1901 die Ausstellung der DarmstädterKünstlerkolonie, einDokument deutscher Kunst", erste große Manifestation fürneue Baukunst (s. S. 15). 1914 die Kölner Werkbundausstellung, Klärung undWeiterentwicklungsmöglichkeiten (s. S. 102). 1927 die Werkbundausstel-lung in Stuttgart mit der Weißenhofsiedlung. Hierzu noch ein kurzes Wort,weil die Ausstellung durch zwei Schlagworte Mißverständnisse und erregte Debattenwachgerufen hat:Neues Baumaterial", d.h. minderwertiges Baumaterial,Surrogate;flaches Dach", d. h. Verunstaltung des Stadt- und Landschafts-bildes. Mit der Ablehnung neuer Baumaterialien a priori sollte man doch vorsich-tiger sein! Wird nicht der Steinquaderbau des Viktorsdomes zu Xanten auf dieschlichten niederrheinischen Backsteinkirchen, die eben nicht so wohlhabend warenwie das reiche Viktorsstift, geringschätzig herabgeschaut und achselzuckend gesagt

1 Die Kunstakademie zu Düsseldorf, die erste Verwirklichung von Muthesius' Reformplänender Kunstschulen, ist für die Ausbildung freier Baukünstler, die keinen Anspruch auf staatlicheAnstellung in der Bauverwaltung erwerben können. Der staatliche Baubeamte dagegen wirdauf der Technischen Hochschule ausgebildet. Die Vorbildung unserer Staatsbaubeamten nacheiner mehr künstlerischen Seite hin lag Fritz Roeber immer am Herzen; daher auch seine An-teilnahme an unserer Rheinischen Hochschule in Aachen. Im übrigen hängt der Erfolg einerneuzeitlichen Kunstschule lediglich ab von der Persönlichkeit der Leitung, die die Probleme klarerschaut und zielbewußt danach handelt sonst bleibt das schönste Lehrprogramm Schall undRauch.