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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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van der Mey ebendort das BureauhausScheepvaartshuis". Um dieselbe Zeittraten die begabten Baukünstler Piet Krämer und M. de Klerk mit eigenwilligneuen Ausdrucksformen einheitlich durchgebildeter Straßenbilder auf. Aber derWeltkrieg hat, wenn auch Kramer und de Klerk noch 1917 größere Arbeiten aus-führen konnten, diesen interessanten Aufschwung doch in Mitleidenschaft ge-zogen, da Baukosten, Zinsfuß, Unterhaltungs- und Betriebskosten zu gewaltigangestiegen waren.Schon im Jahre 1916 konnte man keine Wohnung mehrbauen" so lese ich in dem vom Magistrat von Amsterdam im Mai 1928 heraus-gegebenen Bericht der StadtverwaltungStadterweiterung und Wohnungs-wesen"deren Mieten die Familien, wofür sie bestimmt waren, erschwingenkonnten." Aber daß die Bautätigkeit nicht in dem Maße unterbunden war, wiebei uns, das erlaubte Holland nach dem Kriege die ruhige Weiterentwicklung derDinge. In der Zeit von 1918 bis 1924 ist in Amsterdam, Rotterdam, Hilversum,im Haag und in anderen Orten eine geradezu erstaunliche künstlerische undwirtschaftliche Bautätigkeit entfaltet worden. Das Bauamt der Stadt Amsterdamführte monumentale Schul- und Verwaltungsbauten auf. Dazu gesellte sichde Bazels ausdrucksvolles Bauwerk derNederlandsche Handels Maatschappy".In allen diesen Schöpfungen ist mehr oder weniger Berlage der Lehrer für städte-bauliches Sicheinfügen, Materialbehandlung, klares körperliches Gestalten. DieBoterenbrood, van Epen, Gratama, Greiner, Heineke und Kuipers, de Klerk,Kramer, Kruiswyk, Rutgers, Staal u. a. zauberten mit ihren großen neuen Häuser-blocks ganz neue Stadtteile aus der Erde hervor. Wir hatten währenddessenRuhrkampf und Inflation zu überstehen. Erst um 1924 konnte bei uns die vorzehn Jahren so jäh unterbrochene Bautätigkeit wieder aufgenommen werden.Holland hatte da weiten Vorsprung vor uns, auch psychisch betrachtet, weil esvon den seelischen und materiellen Nöten eines ausgehungerten Volkes und vonder Revolution verschont geblieben war. Holland war die Pilgerstätte derArchitekten Europas geworden mit Recht! Bei den engen, schon vorkriegs-zeitlichen baukünstlerischen Beziehungen des Niederrheins zu Holland konnte esjetzt gar nicht ausbleiben, daß die Fülle der Anregungen von Holland über unsausströmte. Das war ungefähr um die gleiche Zeit, 1924 und 1925, als Behrens,Kreis und Körner in Oberhausen, Düsseldorf und Essen wieder monumentalereBacksteinbauten aufzuführen wagen durften, dann die beiden Aachener Bau-meister Jakob Koerfer in Köln und Emil Fahrenkamp in Düsseldorf, und diesüddeutschen Architekten Paul Bonatz in Düsseldorf, Adolf Abel in Köln undAlfred Fischer in Essen.

1925 vollendete Peter Behrens in Oberhausen die Baugruppe eines Lager-hauses mit Bureauhaus für die Gutehoffnungshütte (Bild S. 112114). Ein Jahrvorher konnte in Höchst am Main sein Verwaltungsgebäude für die J. G. Farben-industrie bezogen werden, ein Monumentalbau, auf gleich imponierender künst-lerischer Höhe, wie das Bauwerk in Oberhausen. Die Voraussetzungen der Bau-aufgabe waren indessen ganz andere 1 . Gegenüber diesen beiden Bauschöpfungen

1 Das Verwaltungsgebäude der Höchster Farbwerke, abgebildet mit Grundrissen, Entwurfs-und Farbenskizzen und Einzelheiten bei Paul Joseph Cremers, a.a.O. (s. S. 16). Cremers'