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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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tikern zu sich. Mit anderen Worten: Ein Vierteljahrhundert vor der offiziellenEngland-Mission des Hermann Muthesius (s. S. 14) hatte Alfred Krupp klar erkannt,was in England vorging, und dann mit der ihm eigenen Tatkraft das Problem auchangepackt.Nicht Briefe, Denkschriften waren es, die die Prokura (des KruppschenWerkes) noch vor dem Ende des Jahres erhielt" (Berdrow). Wie überlegen weit-schauend nun Alfred Krupp disponiert: In fünf Jahren sind über 1500 schulpflich-tige Kinder da, also Schulen bauen, ganz gleichgültig, ob katholisch oder evangelisch,Lehrer will er im Notfall selbst besolden, Unterricht natürlich unentgeltlich, Wett-bewerb unter den Arbeitern, d. h. gut geführte Haushaltungen sollen prämiiertwerden.Die Gleichgültigen und Unsoliden werden spediert", dekretiert er.Diesalles mag unbequem und lästig befunden, auch selbst verhöhnt werden. Das geniertmich aber gar nicht. Ich bin fest überzeugt, daß alles, was ich empfohlen habe, not-wendig ist und daß die Folge es mehr als reichlich lohnen wird. Wir haben noch vielnachzuholen! Wer weiß, ob dann über Jahr und Tag, wenn eine allgemeine Revoltedurch das Land gehen wird, ein Auflehnen aller Klassen von Arbeitern gegen ihreArbeitgeber, ob wir nicht die einzigen Verschonten sein werden, wenn wir zeitig nochalles in Gang bringen". S o 1871! Wie dieser hellseherische Organisator sogar 1918 undin den folgenden Jahren der Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrates, der Separa-tisten und Kommunistenunruhen und des Ruhrkampf es Recht behalten sollte! VonSeite zur Seite wächst dem Leser das Erstaunen in Berdrows Buch über diesen neuenFriedrich den Großen in Essen. Er beschäftigt sich mit den Entwürfen der Arbeiter-häuser so eingehend, als wenn es sich um sein eigenes Haus handele, korrigiert indie Pläne hinein, streicht alles Unzweckmäßige, dabei in Zeiten eigener Sorge umdie Fortführung seines Gußstahlwerkes! Der Erfolg der Anordnungen: erstlich ist1874 die alte Konsumanstalt von 1868 in unmittelbarer Nähe der Gußstahlfabrikausgebaut alsZentralverkaufsstelle" an seine Angestellten für alle Dinge desLebensbedarfs, nicht allein der Lebensmittel, sondern auch der Lebensführung,Kleidung, Schuhe, Haushaltungsgeräte usw. (Bild S. 26). Er bekämpft damit jedeÜbervorteilung seiner Angestellten durch den Privatkaufmann, er bekämpft vor allemdie Schundware. Ihn leitete damals schon dieselbe Erkenntnis, die dann viel späterwieder, erst 1907, Künstler und Kaufmann zur Gründung desDeutschen Werk-bundes" vereinigte Qualitätsware. In den neuen Kruppschen WohnsiedlungenBaumhof und Cronenberg erhielt jedes Haus einen Garten, Cronenberg sogar einengemeinsamen Park und für abendliche Mußestunden ein Haus der Unterhaltung, diesogenannteKruppsche Bierhalle" mit einem großen Versammlungssal.

Die letzten Seiten des umfangreichen, zweibändigen Werkes von Berdrow liestman, nicht ohne tief erschüttert zu werden, Alfred Krupps Ende 1887. Um Osternletzter Ausritt des 75jährigen vomHügel" zu seinem Werk. Die Arbeiterwoh-nungen beschäftigen ihn dabei mehr als alles andere. Dann legt sich der Alte; ersollte sein gigantisch gewordenes Werk nicht wiedersehen. Pfingsten kommt demBettlägerigen ein Gedanke,der schönste Gedanke, den er für seine Arbeiter nochfinden und äußern konnte, das Eigenheim für die späten Lebenstage" (Berdrow):Vor den Augen des Sterbenden, dessen Geist noch so lebendig, dessen Körper abernicht mehr gehorchen will, weil in der Jugend unterernährt und in den Männer-