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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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Olbrich vom System der Gotik ausgingen und die Horizontalbetonung eines Haupt-gesimses aus diesem Grunde weglassen ... Ich glaube, daß mein System sich har-monischer unserer gesamten Zeitströmung einfügt, welche der Gotik abgewendetist und in der Horizontalbetonung der Dachabschlüsse die Möglichkeit sieht, wiederruhige Stadtbilder zu schaffen". So Kreis 1912. Dann 1927 in einem lesenswertenAufsatzDie Baukunst vor dem Kriege und heute 1 ":Die Baukunst vor demKriege kennzeichnet sich ..., innerlich eklektisch, in wenigen Beispielen zu eigen-artigen Kunstwerken geformt." Kreis führt dann auf Behrens' Deutsche Botschaftin Petersburg, Messeis Wertheimbau, Olbrichs Tietzbau, Bonatz' Bahnhof in Stutt-gart und sein eigenes Museum in Halle, dieeinen Stil charakterisieren, der trotzgegensätzlicher Auffassung im einzelnen den gemeinsamen großen Zug zur Verein-fachung des Architektonischen in klarer Weise zum Ausdruck bringt". Dann fort-fahrend:So zeigt sich heute schon für uns ein gemeinsamer Grundton im Aus-druck der Baukunst vor dem Kriege, dem man mit fraglichem Recht den Namen.Neuklassizismus' gegeben hat. Gemeinsam war damals schon die Abkehr gegendas nur Eklektische und das Streben nach der Form der neuen Konstruktionsartenund Raumgedanken, wobei die kleinen Mittel der Maßstabverfeinerungen aus ver-schiedenen Reminiszenzen älterer Epochen herrührten, während die Hauptformdurchaus eigenartig war."

Man kann diese Ausführungen vielleicht auch noch anders umschreiben. Ich wiesbei Olbrich schon darauf hin, wievielImpressionistisches" noch in seinem Düssel-dorfer Bauwerk stecke, während sein Haus Feinhals in Köln von klassizistischerKlarheit sei. Dabei möchte ichklassizistisch" nicht lediglich aufgefaßt haben imSinne der in der Kunstgeschichte bezeichneten äußeren Stilformen um 1800, sondernim Gegensatz zumImpressionismus des Rokokos". Rokoko war in seinen letztenprickelnd dekorativen Äußerungen ja in der Tat ein Impressionismus, dem formalkeine Weiterentwicklung mehr möglich war. Die zerlaufenden Formen in festeArchitektur wieder einzufangen, war die natürliche Reaktion, die wir nun einmalin der Kunstgeschichte alsKlassizismus" bezeichnen, weil klassisches Altertum Pantheon, Paestum und Athen die Anregung gab. Natürlich spielen auchliterarische klassizistische Neigungen der Zeit mit, was aber für meinen Zusammen-hang hier ganz gleichgültig ist. Der Impressionismus unseres Jahrhundertbeginneswar in seinen letzten Äußerungen des raffinierten Neoimpressionismus oder Poin-tillismus in eine Sackgasse geraten wie die letzten künstlerischen Äußerungen desRokokos. Damals schrieb Karl Justi, dieser letzte große denkerische Kunsthisto-riker vom Schlage der Schnaase und Burckhardt, seine Gedanken nieder über dieEntwicklungsmöglichkeiten der derzeitigen Kunst in einem geistvollen EssayAmorphe Kunst" und wies gegenüber dem unrettbaren Pointillismus mankönnte ebenso gut sagenNeurokoko", in ganz anderem Sinne natürlich als dasRokoko der Stillehre verfluchte Bezeichnungen der Kunstregistratoren, die mitihren Etikettierungen begrifflich nur verwirrend wirken Justi wies gegenüber

1 Dokument deutscher Kunst. Anlage, Bauten und Raumgestaltung derGesolei" usw. InVerbindung mit Wilhelm Kreis und Robert Meyer herausgegeben von Richard Klapheck.Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1927.