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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
Entstehung
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Kaufhaus Unter den Linden in Berlin geliefert 1 . Leider blieb Schinkels Entwurfnur Entwurf. Der erste, der nach Schinkel, freilich ganz unabhängig von diesem undaus ganz anderen Erwägungen, den Gedanken eines Warenhauses wieder entwickelte,war Alfred Krupp in Essen 2 . Die älteste, heute noch benutzte große KruppscheKonsumanstalt", Lichthof mit Umgängen in mehreren Geschossen für einzelne Ver-kauf sabteilungen, stammt aus dem Jahre 1868!! (Bild S. 26). Ihre zweckmäßigeSchmucklosigkeit blieb damals leider ohne architektonische Anregung. Dann erstfolgte 1896 Alfred Messel in Berlin mit seinem Entwurf für das Warenhaus Wert-heim (Bild S. 28), und zehn Jahre später Olbrich mit seinem Entwurf für den Tietz-bau in Düsseldorf 3 (Bild S. 29). Der Vergleich mit Messeis Wertheimbau in Berlindrängt sich bei Olbrichs Düsseldorfer Bau von selbst auf.

Messel erkannte wohl klar die Aufgabe, die ihm in Berlin an der Leipziger Straßegestellt war. Aber der Sachgestalter kam bald in Konflikt mit dem akademisch er-zogenen Stilkünstler, oder, wie Walter Curt Behrendt in seinem ausgezeichnetenBuchAlfred Messel" (1911) sagte:Naturalist und Akademiker, Konstrukteurund Künstler lagen dauernd in ihm im Streit." 1897 war der erste Bauteil voll-endet, bewundert von aller Welt (Bild S. 28). Aber die in der Zeit begründeten Fehlersind bekannt und werden einem erst recht deutlich, wenn man die folgerichtig kon-struktiv und mäterialgerechte, auf Schmuck verzichtende, gleichzeitig entstandeneAußen- und Innenausbildung von Berlages Börse in Amsterdam zum Vergleichheranzieht. Messel glaubte der Sachform der hohen, durch die ganze Fassadereichenden Fensterrahmen, dem Konstruktionsgerüst einer einheitlich durchge-bildeten Halle mit Umgängen, durchKunst" bereichern zu müssen. Diese Kunstkonnte er damals nur aus der Kunstgeschichte entwickeln. Im Grunde ist es das-selbe, wie das Bedürfnis Mitte des Jahrhunderts, Maschinen und Fabrikschlotenmit historischen Ornamentformen in eine künstlerische Sphäre verhelfen zu wollen 4 .Pyramiden und barocke Dekorationsformen sind der Abschluß der drei Mittelachsendes Wertheimbaus, die den Eingang betonen sollen; gotisierende schmale Fensterder Abschluß der übrigen Fensterachsen. Aber weder formal noch konstruktiv istein Zusammenhang von Fassade und Dach erreicht (Bild S. 28). In der später ent-standenen Rückfront an der Voßstraße und dem im Jahre 1904 vollendeten Ausbauam Leipziger Platz ist wohl ein Ausgleich zwischen Konstrukteur und Dekorateur

1 Fritz Stahl,Schinkel", Abb. S. 100. Verlag Ernst Wasmuth, A.-G., Berlin o. J.Gustav Adolf Platz,Die Baukunst der neueren Zeit", Taf 228. Propyläenverlag, Berlin 1927.

2 Auf Alfred Krupp als Baumeister komme ich noch zurück.

3 Max Creutz,Joseph M. Olbrich, Das Warenhaus Tietz in Düsseldorf". Verlegt bei ErnstWasmuth, A.-G., Berlin 1909. Herbst 1906 fand das Preisausschreiben für den Neubau statt:Die beiden ersten Preise erhielten die Architektenfirma Rehberg & Lipp in Charlottenburg undArchitekt Otto Engler in Düsseldorf; die beiden zweiten Preise Olbrich und die ArchitektenfirmaOtto & Paul Engler in Düsseldorf; angekauft wurden die Entwürfe von Verheyen & Stobbe inDüsseldorf, Wilhelm Kreis in Dresden, Schütz & Kohtz in Berlin. Dann neuer Wettbewerb unterden vier Preisträgern und Kreis.

4 Selbst ein Alfred Krupp, dem Zweckmäßigkeit ganz selbstverständlich oberstes Gesetz desGestaltens war, bekrönte den hohen Schlot neben seinem berühmtenHammer Fritz" vom Jahre1859 mit einem Tempelchen.