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gegeben (Bild S. 19 u. 20) 1 . Aber wohl bemerkt: „Nur soll recht beachtet werden, daßdiese Methode kein Zweck, sondern Mittel bliebe", schreibt Berlage, „und das Mittelallein noch keinen Künstler macht." Ebenso warnt Thiersch: „Keine Regel derKunst ersetzt den Mangel des Genies. Der fleißige Gebrauch des Reimlexikonsmacht noch keinen Dichter. So wird auch die Kenntnis des hier dargelegten Ge-setzes noch niemanden zum Baukünstler machen". Aber der Wert des Gesetzes derähnlichen Figuren: „eine heilsame Schranke, innerhalb deren das Genie sich zubewegen hat, um Werke hervorzubringen, die das ästhetische Gefühl befriedigenund sich zugleich vor dem forschenden Verstände rechtfertigen können 2 ."
Man kann Peter Behrens ebensowenig einen Klassizisten nennen, wie den ihmwesensverwandten Reformator deutscher Bildnerei, Adolf Hildebrandt. Gemein-sam ist beiden die aus der Erkenntnis des Wesens künstlerischen Gestaltens ge-wonnene zwingende Logik eigener Arbeiten 3 . Zwingende Logik ist der Mannesmann-Bau in Düsseldorf als Ausdruck eines Bürohauses (Bild S. 17, 15). Aus jeweils sichändern könnenden Bedürfnissen schafft Behrens einen neuen Bürohaustyp mitverstellbaren, schallsicheren Innenwänden. So die wechselnden Bedürfnisse einesneuzeitlichen Bürohauses erkannt und erfaßt, konnte nicht mehr die feste WandTräger des Hauses sein, sondern ein wohl durchdachtes Stützensystem; eineEisenkonstruktion, außen mit Tuffsteinplatten umkleidet. Zwingend ist derRhythmus der eng aneinander gereihten Fenster, ein Rhythmus, der die Idee der
1 Le Corbusier, „Kommende Baukunst" . Übersetzt und herausgegeben von Hans Hildebrandt.Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1926.
2 Dasentsprechendeliterarische Gegenstück von gleicher Bedeutung für die Plastik zuThierschstheoretischen Erörterungen wäre Adolf Hildebrandts „Problem der Form in der bildendenKunst". Hildebrandt sagt im Vorwort denen, die in künstlerischen Gesetzmäßigkeiten eine Be-schränkung der künstlerischen Freiheit sehen, den,,Anarchisten in der Kunst", denen „nicht ernstzu begegnen ist", dieses: „Die Eigenart des Individuums ist dadurch ebensowenig angetastet, wiedurch den Nachweis des Anatomen, daß jeder Mensch ein Herz, eine Lunge usw. hat und habenmuß, um lebensfähig zu sein. Damit wird der unendlichen Mannigfaltigkeit der individuellenBeschaffenheit nicht zu nahe getreten. Und ebensowenig, wie wir mit einem gesunden Körper diekräftige Entwicklung aller generellen Organe bezeichnen, so daß eben diese kräftige Entwicklungeine individuelle Bedeutung erlangt, ebenso zeichnet sich das künstlerisch angelegte Individuumdadurch aus, daß es gerade die in der Sache liegenden Probleme empfindet und zu einer kräftigenLösung führt, und daß sein Werk eine wahre Antwort auf die von der Natur gestellten Fragengibt. ... Immer aber liegt die künstlerische Potenz nicht im willkürlichen Ignorieren der sach-lichen Anforderungen, sondern gerade im Beantworten derselben, so individuell sich auch dieProbleme mischen können."
3 Was der temperamentvolle Boecklin von Hildebrandt behauptet, würde er auch von Behrensgesagt haben: „Hildebrandt ist sehr klug, kennt die Bedingungen seiner Aufgaben, das ist wesent-lich. Hildebrandt bringt es auch noch dahin, daß sich kein Mensch mehr für ihn erwärmen kann.Wenn die Leute erst anfangen: „Wie mag ich das?" — also mit dem Verstand lösen wollen, ist'szu Ende. Erfinden wollen ist die Ursache der Kunst, nicht Fixieren des Vorhandenen. Die Altensind alle nur Vorahmer von ihm." — Witteisbacher Brunnen in München: „Die Rechnung injedem Sinne famos, sobald er aber schenken soll, ist er geizig. Ein Hellenist in Renaissance-sauce." — Es ist die selbstverständliche Einseitigkeit eines im ganzen Temperament so andersgearteten Künstlers, der sich am besten selbst charakterisiert mit den Worten: „Da hat und ver-breitet Begas doch ein bißchen andere Wärme." (Vgl. Gustav Floercke, „Zehn Jahre mit Boecklin."München 1902.)