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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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Le Corbusier.Proportionsschema für die Fassade einer Villa. 1916.

Harmonie, die Wiederholung der Hauptform in allen Teilen, elementar, aberaufs reinste erfüllt 1 ."

Diese abstrakten Schönheitsbegriffe baukünstlerischen Schaffens, diemathe-matische Grundharmonie", dieWiederholung der Hauptfigur in allen Teilen",sind von so grundsätzlicher Bedeutung zum Verständnis für Behrens' künstlerischeAbsichten, daß wir uns damit noch etwas beschäftigen müssen. 1904 erschienAugust Thierschs ArbeitProportion in der Architektur. Ein Versuch zur Wieder-herstellung der Lehre der Analogie 2 ", die in scharfsinniger Weise und mit künst-lerischen Instinkten dieGesetze, durch deren Beachtung die Schönheit des Bau-werks bedingt ist", zu formulieren oder, besser gesagt, die die sich darauf beziehen-den, an sich nicht ganz eindeutigen Stellen in Vitruvius'Zehn Bücher über Archi-tektur" und in Leone Battista AlbertisDe re aedificatoria" anschaulich zu deutensucht. Er geht davon aus, daß der Begriff derguten Verhältnisse", zahlenmäßigbestehend, in einfachen geometrischen Figuren anschaulich für das Auge auszu-drücken sei. Er hat eine große Zahl alter Bauwerke vermessen. Ich gebe hier zurbesseren Verständlichkeit drei Beispiele wieder. Bild S. 18 der Tempel zu Paestum.Es verhält sich Tempelraum zum Tempelumgang der Säulenstellungen, wie imGebälk Metope zurTriglyphe; oder Säulenhöhe zum Gebälk des Tempels, wie Höheder Triglyphe zu dem Gebälkstück darüber bis zur Dachschräge. Ziehe ich Diago-nalen durch die Rechtecke der Schnitte des Tempelraumes und des Umgangeseinerseits, andererseits der Metopen und Triglyphen, so laufen die Diagonalen derentsprechenden Stücke parallel, mit anderen Worten, es entstehen sog.ähnlichegeometrische Figuren gleicher Winkelgrößen". Bild S. 21 a die Peterskirche in Rom.Höhe der Fassade und Gebälk stehen zueinander im gleichen Verhältnis wie Höhevon Tambour und Gebälk der Kuppel und kleineren Seitenkuppeln, nämlich 3:1Bild S. 21b Leo von Klenzes Propyläen zu München um 1850. Die Tempelfassade desMittelbaus und der Oberbau der seitlichen Turmkörper bilden ähnliche geometrische

1 Wilhelm Niemeyer,Peter Behrens und die Raumästhetik seiner Kunst" (KochsDekorative Kunst", Darmstadt 1906/07).

2 Handbuch der Architektur, IV. 1, S. 37 ff.