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Kunsthändler im vornehmsten Sinne des Wortes, dem Volk gute und nützlicheWohnkunst zu vermitteln. Er lernte zunächst ein Handwerk nach dem anderen,um selbst die Bedingungen des Gestaltens aus dem Material einmal praktischkennenzulernen. Er wurde damit der Vater der Werkstättenidee. Die Firma„Morris & Co." war 1861 (!) die erste Werkstätte für modernes Kunsthandwerk,für alle Gebiete der Innenausstattung. Die erste deutsche, die „Münchener Werk-stätten", folgte erst 1900! Maler wie Dante Gabriel Rosetti, Burne-Jones, WalterCrane, Ford Maddox Brown, Arthur Hughes, der Architekt Philipp Webb und derIngenieur Faulkner arbeiteten für „Morris & Co.", wurden Werkstättenkünstler.Das Hauptbuch der Firma ist gleichsam die wichtigste Quelle für die Geschichtedes modernen Kunstgewerbes in England. Zeitschriften wie „Hobby Horse" und„Studio" verbreiteten die neugefaßten „alten" handwerklichen Ideen. Entspre-chend deutsche Zeitschriften folgten erst wieder Jahrzehnte später. Die „Arts andCrafts Society" sorgte für würdige Ausstellungsmöglichkeiten. — Deutschlandsjährlicher Kunstbazar war dagegen die „Kunstausstellung", d. h. Bilderausstellung,Kunstbörse zur Hebung der Unwohnbarmachung unserer Räume, Anmaßen vonSchönheiten in dem Sinne, nicht mehr zum Genuß der Schönheit zu kommen. —Was war Gustav Theodor Fechner doch für ein weitschauender Kenner deutscherKunstinteressen! — Das wichtige blieb der Besitz von Namenaktien, gangbarenNamen für die Kunstauktion der Erben. — Der Genealoge sollte einmal feststellen,ob wirklich Mister Snob angelsächsischen Ursprungs ist!
Morris & Co. gingen aus vom schmucklosen, aber praktisch bequemen und wohl-proportionierten Möbelstück. Nächster Schritt, die Einzelmöbel zu einem gefälligenEnsemble abzustimmen. Nächster Schritt die Raumgestaltung, Zusammenhangvon Wänden und Möbeln. In gleicher Weise wie beim Einzelmöbel, ein gutpropor-tioniertes Verhältnis von Länge, Breite und Höhe eines Raumes. Fort mit allenStaubfängern! Unsere Wohnräume, abhängig von der schematischen Fassaden-und Fensterzeichnung, waren zu hoch. Raumverschwendung, über den Fensterndunkle Streifen, Unbehaglichkeit. Der Engländer zog das Fenster möglichst bisan die Decke. Er wollte einheitlich große Lichtzufuhr haben und führte wieder diealte breite kombinierte Fenstergruppe ein. Die Zimmerdecke zog er möglichstherab. 2,45 m lichte Höhe genügte ihm; 2,75 m Höchstmaß für den Hauptwohn-raum. Vorteile: Raumersparnis, Breiten- und Tiefenwirkung, Licht, Behaglichkeitund Wärme. Der Raum sollte durch einen ausstrahlenden Mittelpunkt organischbelebt werden, um den sich die Möbel gruppierten: im Wohnzimmer die Stellungdes Kamins als Mittelpunkt, darüber Spiegel oder Bild, zwanglos umstellt von be-quemen Sesseln; ebenso im Herrenzimmer die Stellung des Schreibtisches, imMusikzimmer die Stellung des Flügels, im Schlafzimmer die Stellung des Bettes.Dazu kam die farbig einheitliche Behandlung des Raumes. „Morris & Co." warennur Innenarchitekten. Die damaligen Außenarchitekten Shaw, Webb und Nesfieldwaren von gleicher Einstellung geleitet. Ihre Grundrisse sind Musterbeispiele vonBehaglichkeit und zweckmäßiger Bequemlichkeit, auch in der Raumersparnis derKorridore und praktischen Anlage des Treppenhauses. Der Hausgarten war dieorganische Fortsetzung der geschickten Raumgruppierung. Und schließlich war es