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wichtig, daß man den Entwurf des Grundrisses nach der Sonne orientierte: Diewichtigsten Räume, Schlafzimmer und Wohnräume, lagen nach Süden; Küche,Wirtschaftsräume, Bad und Toiletten nach Norden. Es ist in hohem Maße inter-essant, wenn Norman Shaw sagte, mit dem Grundriß sei eigentlich seine Auf-gabe erschöpft, das Äußere interessiere ihn nicht mehr. Erker waren bei ihmnicht Schmuck der Fassade, sondern höchst zweckmäßige Bestandteile des Grund-risses. In den 70er Jahren baute Shaw die erste „Gartenstadt", Bedford Park.Villen- und Arbeiterkolonien folgten. Frühzeitig erkannte man die Wichtigkeitgroßer Grünanlagen als Lungen der Städte. Zusammenfassend: Nicht mehr kunst-geschichtliche Stillehre bestimmte die Fassade, und nicht mehr die Fassade dieAnlage der Räume, sondern Grundsätze der Gesundheit, Hygiene, Behaglichkeitund Zweckmäßigkeit bauten von innen nach außen, denn so meinte schon vor300 Jahren der Engländer Bacon: Häuser baut man, um darin zu leben, nicht umsie von außen zu betrachten.
Die englische Bewegung der 60 er Jahre war natürlich auch von großem Einflußauf die Umgestaltung der englischen Kunstschulen. Gottfried Semper, in Deutsch-land ein einsamer Prediger in der Wüste, in London als politischer Flüchtling inder Verbannung lebend, war 1851 der Berater des Prinzgemahls von England inden Fragen der Reform der Erziehung zum Architekten und Kunsthandwerker.Aus Anlaß der Erfahrungen auf der Londoner Weltausstellung 1851, die zum erstenMale einen Palast aus Eisen und Glas sah, den Cristal Palace, gründete man stattBildermuseum das Kunstgewerbemuseum zum Studium alter Handwerkstechnikenund im Anschluß daran Kunstgewerbeschulen. Die ältesten deutschen Kunst-gewerbeschulen stammen erst aus dem Ausgange der 70 er Jahre — Köln 1879,Düsseldorf 1882, Elberfeld 1897 usw. — Aber ein wesentlicher Unterschied bestanddoch darin, daß man in Deutschland Ornamentzeichner erzog, die „unserer VäterWerke" kopierten und damit gedankenlos und höchst unzweckmäßig Gebrauchs-gegenstände, selbst Maschinen, mit Kunst bereicherten, gewissermaßen die Prosamit Poesie umkleideten; Englands Schulen dagegen waren praktische Handwerker-schulen, „schools for practical arts". Darin zeigte sich wieder der wohltuende Einflußder Bestrebungen von „Morris & Co.".
Der verdiente Vermittler der überragenden Vorzüge englischen Kunstschul-wesens und englischer Bau- und Wohnverhältnisse ist der im Jahre 1927 auf so tra-gische Weise ums Leben gekommene Hermann Muthesius. Er kam vom Hand-werk, Sohn eines Maurermeisters und im Maurerhandwerk erzogen, bevor er sichtheoretischen Studien widmete und später erst ausführender Architekt wurde. 1899wurde er zum Studium der englischen Kunstschul- und Bauverhältnisse nach Lon-don an die Deutsche Botschaft berufen, wo er sieben volle Jahre tätig war. Dannin das preußische Handelsministerium berufen, wurde er der Reformator unsererKunstgewerbeschulen nach englischem Vorbilde. Er gehört zu den Mitbegründerndes „Deutschen Werkbundes". Auch da könnte man auf englisches Vorbild zurück-greifen. Seine Buchveröffentlichungen waren zu Anfang des Jahrhunderts Offen-barungen. Aber auch noch eine andere Parallele, abgesehen von der Gründung vonKunstwerkstätten, haben wir 40 Jahre später zu England: Die führenden Künstler