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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
Entstehung
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Oberkruchen im Kreise Erkelenz.Alter Backsteinwohnbau nachträglich entstellt durch Zementfassade. Vgl. Bild S. 8.

nur die äußere Erscheinung, und der Spekulationsgeist wollte sie billig haben. DerBauer ließ sein altes stattliches Haus mit städtischer Ornamentierungskunst ver-schönern (Bild S.8u.9). Die Mietskaserne des Arbeiters erhielt den Schmuck fürst-licher Barockfassaden in unechtem Material, nicht wetterfest und daher bald zer-bröckelt. Es war die Zeit, die den Papierkragen erfand und den Fünfzigpfennigbazarausdachte, die jeden Sinn für Materialqualität verloren hatte, die den Landmannstatt in stilvoller und vor allem zweckmäßiger Bauernkleidung in schlechtsitzenderStädterkleidung sah, den Arbeiter statt in Werkkittel und Schürze in unsauberzerfranstem Kragen und notdürftig geflickter Halsbinde; die Zeit, von der GottfriedKeller erzählt, daß das kleine Ratzeburg Großstadt werden wollte, am StadtbacheinenQuai" erbaute und statt der traulich krummen Straßen einen schnurgeradegezogenenBoulevard" haben wollte und dafür die Linden niederschlug und dieStadttore abtragen ließ.So ist gelungen jeder Plan, doch keiner sieht das Nestmehr an."

Zu dieser in der ganzen Zeitgesinnung begründeten Einstellung kam noch alsebenso bedeutsamer Faktor die in ihren Folgen anfänglich gar nicht erkannteScheidung der Unterrichtsanstalten nach einzelnen künstlerischen Zweigen.Unsere alten Kunstschulen, die Akademien, der Ersatz früherer zunftmäßiger Aus-bildung in Bauhütten oder Werkstätten, waren noch Unterrichtsanstalten für alleGebiete der bildenden Künste, der Baukunst, Innenausstattung und Gartenanlage,der Malerei, Plastik und des Kunstgewerbes. Baukünstler, Maler, Plastiker und