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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
Entstehung
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Baukunst und Plastik bei den Alten" um nur eines von vielen hier anzuführen (!)

die künstlerisch klar erkennenden Baukünstler Gottfried Semper und JakobHittorf gegenüber dem Einfluß und Ansehen der Archäologen unterlagen und dadurchjahrzehntelang ein durch gelehrte Bevormundung entstandener künstlerischer Irrtumherumgeschleppt wurde, der farbige Baukunst und Plastik nun nicht mehr zu Wortekommen ließ. Hier standen einander gegenüber der mit Vorurteilen und Maximenbelastete Gelehrte und der aus dem Arbeitsprozeß erkennende, schaffende Künstler.Für den nurkunstgelehrten Kritiker des 19. Jahrhunderts und seinen verhängnis-vollen Einfluß Ausnahmen bestätigen nur die Regel hatte schon Schinkel einprächtiges Wort geprägt:Kunstgelehrte, die nicht zugleich praktische Künstlersind, sind allemal weit von der höchsten Kritik entfernt und deshalb von der höch-sten Einsicht in die Kunst. Denn nur durch das Schöpferische, welches aufs Prak-tische geht, zugleich aber das höhere Bedürfnis befriedigt, wird die wahre Kritikherbeigeführt." Oder Cornelius Gurlitt, von Haus aus Baumeister, dann als Schrift-steller und Kritiker voller künstlerischer Instinkte, im Jahre 1889:Wie kann dasNichts über das Etwas, die gänzlich unfruchtbare Kritik über eine Kunst sich er-heben wollen? Die Kritik wirft der Kunst vor, sie arbeite nur mit entlehnten Ge-danken. Wo aber sind die selbständigen Gedanken jener Kritiker? Was sie treiben,das nennt man die wissenschaftliche, die ernste, die besonnene Kritik. Ich meine,wir wären besser daran, eine künstlerische, lustige und vom Augenblick beherrschteKritik zu üben; eine Kritik, die sich zu begeistern vermag; die sich am Neuen freut,nicht einen Ballast ästhetischen Wissens mit sich schleppt; eine Kritik, die in derKunst wurzelnde Eigenwesen handhaben; nicht aber eine Kritik, die über der Kunsthinschwebende höhere Erkenntnis von sich gibt."

Schinkel und Gurlitt reden natürlich von ihrer Zeit. In den letzten Jahren istder Kunsthistoriker, wenigstens auf dem Gebiete der Baukunst, vorsichtiger ge-worden. Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen, denn in allen Zeiten einer künstle-rischen Kultur ließ sich der Kritiker vom Künstler belehren, nicht umgekehrt; undheute lassen wir uns wieder willig belehren von Männern, dievom Bau stammen" 1 .

Zunächst indessen beschäftigt uns einstweilen noch in diesen Ausführungen dasBild der Zeit um 1900.

Solange die Baugesinnung eines Schinkels die Bautätigkeit beherrschte, darf manden freien Gebrauch und die selbständige Verwertung geschichtlicher Bauformennicht für den Verfall unserer Bau- und Wohnkultur verantwortlich machen.Schinkel ist ein Schulbegriff, der weit über den Tod des Meisters hinaus lebendigblieb. Seine Schüler haben als Staatsbaubeamte eine Fülle ganz ausgezeichneterArbeiten geschaffen, auch in den Rheinlanden, die der Ausgang des Jahrhundertswegen der anspruchslosen Dekoration nicht erkannte und die er unkünstlerischwie er in seiner Erkenntnis, wie in seinem Empfinden geworden war in der ma-terialgerechten Bearbeitung und dem Sinn für künstlerisch rhythmische Gliederungauch verkannte. Auch hier handelt es sich um Arbeiten, die über Jahrzehnte hin-weg in ihrer alten Sachlichkeit sich verwandt fühlen mitneuer" Sachlichkeit der

1 Vgl. Literaturangabe von Baumeistern über moderne Baukunst am Schlüsse dieser Aus-führungen.